Allgemein Unternehmertum

Wo soll denn die Reise hingehen – Fokus auf das Wesentliche

Ich sollte mich wirklich mal mehr auf meine Belletristik fokussieren. Aber irgendwie gelingt es mir nicht. Das Copywriting ist zu lukrativ und irgendwie auch gemütlich. Wie komme ich da nur raus?

Mir ist im August das Folgende passiert: Ich bin in Arbeit untergegangen. In Copywriting-Aufträgen. Das ist eigentlich ja etwas sehr Schönes. Allerdings bleiben dadurch immer gewisse Dinge auf der Strecke. Wie meine Belletristik. Den ganzen August über habe ich überhaupt nicht an meinen Buchprojekten geschrieben. Doch darin sehe ich ja eigentlich meine Berufung – im Bücher Schreiben. Wir haben hier wohl ein kleines Ding mit dem Fokus.

Warum ich den Fokus immer auf die Aufträge lege

Eigentlich ist die Sache doch glasklar: Ich will Belletristik schreiben und von den Buchtantiemen leben. Also sollte ich mich zu hundert Prozent darauf konzentrieren, oder? Doch irgendwie spielt schon das Leben auch noch mit und da hindert mich immer wieder was daran, meinen Fokus ausschließlich auf die Buchprojekte zu legen. Doch was genau ist der Grund dafür, dass ich mich immer hauptsächlich dem Copywriting widme?

Fokus-Killer Nr. 1: das liebe Geld

Tja, was soll ich sagen, so ganz ohne Gehalt geht es halt nicht. Oder zumindest bilde ich mir das ein. Natürlich könnte ich eine Zeitlang auch ohne Einnahmen auskommen. Mein Mann verdient ja gut und wir haben ordentlich was auf der Seite. Außerdem habe ich ein Aktiendepot, das auch kontinuierlich wächst. Aber das Problem: All das Geld ist schon anderweitig verplant. Einerseits wollen wir ja ein gewisses Immobilien-Portfolio aufbauen, andererseits muss ich mich auch um meine Altersvorsorge kümmern. Ich brauche also ein Einkommen und die Tantiemen reichen nicht mal annähernd aus. Ich habe ja mal geschrieben, dass ich erst so ab dem zehnten Buch von den Tantiemen werde leben könne. Naja, ich stehe gerade mal bei drei.

Fokus-Killer Nr. 2: die Wertschätzung

Im Copywriting weiß ich halt ganz genau, was ich tue. Darin bin ich nicht neu oder unsicher. Ich verstehe meine Kunden irrsinnig gut und kann das liefern, was sie brauchen. Ich habe mich in den letzten Jahren auch kontinuierlich weitergebildet und schreibe professionelle Texte , die genau den Bedarf decken. Außerdem scheine ich den großen Vorteil zu haben, recht allein mit meinem Knowhow dazustehen – zumindest in Graz. Und die Kunden danken es mir. Und wie. Sie zahlen gute Preise und bringen mir irrsinnig viel Wertschätzung entgegen. Sie empfehlen mich weiter. So ist es ja auch überhaupt erst gekommen, dass ich im August so viele Aufträge hatte. Durch Weiterempfehlungen. Denn Akquise betreibe ich aktuell gar keine. Und das tut eben auch gut. So viel Dankbarkeit und Jubel für meine Arbeit zu bekommen, macht was mit mir!

Fokus-Killer Nr. 3: die Komfortzone

Die Komfortzone ist auch was Gemütliches. Und meine Komfortzone ist bei den Auftragstexten, wo ich halt genau weiß, was ich zu liefern habe, meine Kunden kenne und mich nicht viel Neues oder Außergewöhnliches erwartet. Natürlich muss ich mich immer wieder neu in Themengebiete einlernen, aber auch das ist irgendwie schon komfortabel. Ich bin es gewohnt. Wenn ich aber mit meinen Büchern erfolgreich sein will, betrete ich Neuland. Ich habe mich noch nie damit auseinander gesetzt, einen Verlag oder einen Agenten zu finden. Aber das müsste ich wohl, wenn ich nicht dauerhaft auch die ganze Vermarktung selbst machen will (und Spoiler: Das will ich vielleicht echt gar nicht). Da fange ich bei Null an, bin unsicher und direkt schüchtern.

Ich muss wohl auch an meinem Zeit Management arbeiten, wenn das mit den Büchern was werden soll.

Jede*r weiß: Ohne Fokus wird das nix

Wie aber soll ich es denn hinbekommen, meinen Fokus ganz auf meine Buchprojekte zu legen, wenn ich auf das Copywriting aus finanziellen und emotionalen Gründen nicht verzichten kann? Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann will ich es auch gar nicht ganz sein lassen, denn mein Job macht mir halt auch richtig Spaß. Vielleicht nicht ganz gleich viel wie meine Belletrisik-Projekte, aber doch auch so viel, dass ich das Texten nicht gänzlich an den Nagel hängen WILL. Und das Geld macht mir auch Spaß. Wem denn nicht? Hier ein paar Überlegungen, wie es funktionieren könnte:

Ein Team fürs Copywriting, ein neues Buchprojekt für mich

Ich baue mir ein Team auf. Vielleicht erst ganz klein mit anderen Textern, die das können oder lernen wollen, was ich kann und dann dementsprechend einen Teil der Arbeiten umsetzen. Ich habe auch schon jemanden gefunden, der gerne für mich und mit mir schreiben möchte. Ich würde weiterhin den Kundenkontakt halten, Akquise machen, wenn nötig und korrekturlesen. Und mein Sub-Copywriter braucht nur zu schreiben. Das scheint tatsächlich auch ein attraktives Angebot zu sein, weil gerade das Thema Akquise vielen Leuten, die eigentlich gerne schreiben würden, Angst macht.

Ich schenke mir fixe Zeiten für die Belletristik

Das ist etwas, das ich immer wieder mal versucht , aber nie durchgezogen habe. Ich brauche fixe Zeiten fürs Autorinnen-Dasein. Dabei geht es gar nicht um die Zeit fürs Schreiben selbst. Die finde ich eigentlich immer, sonst wären in den letzten zweieinhalb Jahren ja nicht drei Bücher erschienen (übrigens, das vierte, nämlich die Fortsetzung der Clara Linhart-Reihe erscheint noch im Herbst). Sondern um all die Dinge, die zum Autorinnensein dazugehören. Eben die Suche nach einer Agentin/einem Agenten. Überlegungen zur Vermarktung, Vernetzung, Positionierung usw. Das braucht wesentlich mehr Zeit als das Schreiben an sich und kommt definitiv viel zu kurz. Und wenn ich von fixen Zeiten rede, dann meine ich nicht nur schnell eine Stunde in der Früh, bevor der Copywriting-Stress losgeht, sondern ganze Arbeitsblöcke von mehreren Stunden oder garTagen.

Aufträge nur, wenn sie gut genug bezahlt sind und Spaß machen

Und das ist das Nächste, an dem ich aber eigentlich schon seit einiger Zeit arbeite. Ich nehme nicht mehr jeden Auftrag an. Das hat sich in den letzten Monaten so ergeben, da ich allein aus zeitlichen Gründen nicht mehr alles machen konnte, was so reingekommen ist. Aber ab sofort werde ich meine Entscheidung für oder gegen einen Auftrag nicht nur nach zeitlichen Ressourcen treffen sondern auch nach meinem eigenen Interesse. Jetzt spielt natürlich auch meine Kollegin, die ab sofort für mich schreiben wird, eine Rolle. Denn nur weil ein Thema nicht meins ist, heißt das noch lange nicht, dass es ihr nicht ultimativ Spaß machen könnte. Jeder Auftrag bekommt also zwei Chancen – entweder er gefällt mir oder meiner neuen Copywriting-Kollegin. Was nicht spannend oder sogar schlecht bezahlt ist, kann weg.

Fokus neu

Der September ist bis jetzt relativ ruhig und ausgeglichen. Das ist aber auch ganz logisch, denn so spielt das Leben nun mal. Jetzt, wo ich eine zweite Texterin an der Hand habe, wäre es gar nicht nötig. Aber da ich schon weiß, wie schnell es gehen kann, dass ich nur wieder von Auftrag zu Auftrag rudere, bin ich froh, dass ich mir ein hoffentlich funktionsfähiges System aufgebaut habe. Und jetzt schließe ich diesen Beitrag auch gleich, weil ich mich wieder meiner Belletristik widmen möchte. Ich mache übrigens bei einem Schreibwettbewerb mit. Davon erzähle ich euch das nächste Mal mehr. Also, Fokus auf die Bücher und los.

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