Allgemein Mindset

Spätberufen

Besser spät als nie? Stimmt schon. Aber wer früher anfängt, ist auch eher am Ziel. Bei diesen "Frühen" bin ich jedenfalls nicht dabei.

Immer wieder kommt in mir die Reue auf, mich nicht schon viel früher mit meinen Finanzen oder Geld im allgemeinen auseinandergesetzt zu haben. Umso mehr, da ich sehe, dass es gar kein Hexenwerk ist. Die geistige Fähigkeit, die Dinge zu tun, die ich auch jetzt mache, hätte ich mit Anfang 20 durchaus schon gehabt. Was aber hat mich daran gehindert?

Bereuen bringt nichts

Hätt‘ i, wär‘ i, tät‘ i. Was bringt das schon? Hätte ich vor 10 Jahren begonnen, wäre ich heute schon finanziell frei. Hab ich aber nicht und bin ich auch nicht. Deshalb könnte ich den Kopf in den Sand stecken und aufgeben. Denn genaugenommen frustrieren solche Gedanken doch nur, oder? Tatsache aber ist, dass ich auch mit 39 immer noch den Großteil meines Lebens vor mir habe. Glaube ich zumindest. Wisst ihr, ich gehe davon aus, dass ich sehr alt werde.

Je nach Alter sind unterschiedliche Ziele vorherrschend. Finanzielle Freiheit spielt für Senior*innen vielleicht keine Rolle mehr, schon aber ein kaputter Fernseher.
Die Oma spart vielleicht nur auf einen neuen Fernseher. Sie hat sonst alles, was sie braucht. Jüngere Generationen sind gut beraten, sich schon frühzeitig Gedanken um ihre Altersvorsorge zu machen.

Warum aber habe ich nicht früher begonnen?

Gleich vorweg: Es ist nicht so, dass ich mich gar nicht um meine Geldangelegenheiten gekümmert hätte. Und ich hatte auch durchaus Talent, Geld auf die Beine zu stellen. Ich mag Geld und Geld mag mich – immer schon. Was mich aber daran gehindert hat, schon früher Segel zu setzen, ist dieselbe Geschichte, wie bei den meisten. Ziemlich lame. Mir fehlte es an Vorbildern, an Bildung und an den richtigen Glaubenssätzen. Selbst wenn ich es geschafft hatte, als Studentin nebenbei mehr zu verdienen als andere in Vollzeitbeschäftigung, so war ich genauso gut darin, das verdiente Geld wieder auszugeben. Dabei wäre es so einfach gewesen: Nur 10 % sparen und heute hätte ich keine Sorgen mehr. Es ist so. Ich habe es durchgerechnet.

Wie kann Vermögensaufbau Ende 30 funktionieren?

Eines aber muss ich euch abseits aller Reue-Verbote offen sagen: Das Alter macht den Vermögensaufbau schwieriger. Warum? Das hat mehrere Gründe, die ich euch gerne erkläre. Aber bitte, versteckt euch nicht hinter diesen Ausreden! Denn, dass es schwieriger ist, heißt nicht, dass es unmöglich ist. Es geht und das will ich nicht nur euch, sondern vor allem mir selbst beweisen:

  • Die „Laufzeit“ ist nicht mehr so lange. Das Ding ist: Meine Pension ist nun 10 Jahre näher als wenn ich vor 10 Jahren begonnen hätte. Das heißt, um entsprechend dafür vorzusorgen, muss ich monatlich mehr zur Seite bringen. Die Zeit spielt auch eine ganz entscheidende Rolle beim Zinseszinseffekt. Ist klar, oder? Mehr Zeit bedeutet mehr Gesamtrendite. Die muss ich nun mit einem höheren finanziellen Einsatz wettmachen.
  • Eine Familie zu haben, hemmt die Risikobereitschaft. Hätte ich mich in jüngeren Jahren schon der Selbstständigkeit verschrieben, wäre ich da ganz anders reingegangen. Heute habe ich den Druck, meinen Anteil am Haushaltsbudget beisteuern zu müssen. Ich bin nicht nur für mich alleine verantwortlich, sondern (mit-)verantwortlich für eine vierköpfige Familie. Für mich ist auch klar, dass die Kinder nicht auf den gewohnten Lebensstandard verzichten sollen.
  • Die eigene Zeit ist limitiert. Auch wenn man in jungen Jahren gerne die Nacht zum Tag macht, ausgeht, Freunde trifft und sich amüsiert, so hat man doch immer noch wesentlich weniger Verpflichtungen als im Alter. Irgendwann arbeitet man 40 Stunden pro Woche und ab dem Zeitpunkt, wo Kinder da sind, bleibt (zumindest die ersten Jahre) gar keine Freizeit mehr übrig. Deshalb finde ich es auch von diesem Gesichtspunkt her schwieriger, sich fortzubilden, ein eigenes Business aufzuziehen und ein Vermögen aufzubauen. Denn seien wir ehrlich: Ein wenig Zeit muss man schon investieren. Es muss ja nicht immer eine Sanierungswohnung sein, aber ein gewisses Maß an finanzieller Bildung ist im Vorfeld auf jeden Fall notwendig. Und das braucht Zeit. Entgegen der landläufigen Meinung muss man nicht jahrelang studieren, um die Prinzipien des Kapitalmarkts zu durchblicken, aber mit einem 30-minütigen Webinar ist es halt auch nicht getan.
Zeit ist Geld und umgekehrt. Daher fällt der Vermögensaufbau in jungen Jahren auch leichter.
„Time is money“ stimmt in zweierlei Hinsicht. Denn erstens ist Zeit ein wichtiger Faktor beim Zinseszinseffekt und zweitens braucht man Zeit, um sich dem Vermögensaufbau zu widmen.

2 Jahre also

Und weil ich mir all dieser Herausforderungen bewusst bin, habe ich mir auch die 2-Jahres-Frist gesetzt. In diesen zwei Jahren will ich all das aufholen, was ich in meiner Jugend versäumt habe. Denn wie gesagt, ich wäre schon finanziell frei, hätte ich rechtzeitig begonnen. Denn selbst wenn es Dinge zu bereuen gibt, ist es ein schönes Gefühl, alles Versäumte in nur zwei Jahren nachzuholen. Ihr versteht also, warum 2-years.com ein so enges Korsett brauchte, oder? Als ich endlich draufgekommen bin, wollte ich einfach keine Zeit mehr verlieren.

Aber ab wann ist es denn wirklich zu spät?

„Zu spät“ gibt es meiner Meinung nach gar nicht. Viel mehr sollte sich jede*r die Frage nach den eigenen Zielen stellen. Was ist mir wichtig, wie will ich leben und wie kann ich das mit Geld erreichen? Und daran scheitern die meisten Menschen schon, egal ob jung oder alt. Denn erst wenn ich weiß, wie viel Geld ich tatsächlich brauche für das, was ich vorhabe, macht es Sinn, dafür zu sparen und zu investieren. Denn eines ist klar, die 10 %, die mit Anfang 20 gereicht hätten, um ein Vermögen aufzubauen, sind mit 39 nicht mehr genug. Da muss ich anders an die Sache rangehen. Aber es ist auch sinnbefreit, darüber nachzudenken, um wie viel mein Einsatz seither gestiegen ist, weil ich später begonnen habe. Denn Tatsache ist nun mal, dass ich mit 20 noch keines meiner Ziele hatte. Die eigene Großmutter wird vielleicht nur auf den nächsten Urlaub sparen, da sie mit ihrer Pension ganz gut das Auslangen findet, während sich die Jugend von heute schon eher Gedanken um die Grundversorgung im Alter machen sollte. Aber auch besonders ehrgeizige Ziele, sind, wenn man sie ernstmeint, im hohen Alter noch erreichbar. Einnahmequellen finden, Ausgaben reduzieren und den Rest sparen, geht eigentlich immer. Wer weniger Zeit übrig hat, muss eben an den Einnahme- und Ausgabehebeln ganz ordentlich arbeiten. Aber möglich ist es durchaus.

Wer noch jung ist, sollte jetzt anfangen, sich mit seinen Finanzen auseinander zu setzen. Wer alt ist, übrigens auch!
Ob er schon seinen ersten ETF-Sparplan aufsetzt? Klug wäre es…

Corona-Glück oder warum es gerade jetzt so einfach ist wie nie zuvor

Dieses Corona. Es ist ja irgendwie verrückt. Und was kotzen mich diese ständigen Lockdowns an? ABER: Es ist für mich tatsächlich gerade die Idealsituation, um den Vermögensaufbau voranzutreiben. Warum? Ich bin in der glücklichen Lage, genügend Aufträge zu haben. Auch der Buchverkauf ist durch die Pandemie nicht gefährdet. Das heißt, es kommt gut Geld ins Haus. Auf der anderen Seite ist es aber gerade irrsinnig schwierig, Geld auszugeben. Vieles, was früher den Großteil meiner Ausgaben ausgemacht hat, ist gerade gar nicht machbar. Wir haben immer viel unternommen, sind viel verreist und haben Unsummen für Erlebnisse ausgegeben. Das geht gerade alles gar nicht. Und das gesparte Geld fließt nun in den Vermögensaufbau. Sicher sind die Ausgaben für Lebensmittel und dergleichen gestiegen, aber nicht in demselben Verhältnis wie andere Ausgaben einfach gänzlich weggefallen sind. Ich habe schon letztes Jahr mal einen Artikel darüber geschrieben, warum genau jetzt die Zeit ist für den Vermögensaufbau. Den könnt ihr hier nachlesen.

Es ist gut, so wie es ist

Letztens hatte ich ein Gespräch mit meiner Freundin darüber. Also, dass ich es schade finde, dass ich mich nicht schon früher mit dem Thema Geld auseinander gesetzt habe. Dass ich doch schon in meiner Jugend hätte investieren sollen. Und da hat sie etwas sehr Kluges gesagt. Sie meinte nämlich, man kann nicht einfach einen kleinen Baustein aus der Vergangenheit ändern und denselben Output erwarten. Sprich, hätte ich mich schon früher auf den Weg der finanziellen Unabhängigkeit gemacht, wäre ALLES ganz anders gekommen. Ich hätte vielleicht weder meinen tollen Mann geheiratet, noch wären meine Kinder dieselben. Und damit hat sie wahrscheinlich recht. Wer weiß, wie mein Leben in finanzieller Unabhängigkeit heute aussehen würde? Jedenfalls gibt es keine Garantie, dass es genauso glücklich wäre, wie mein tatsächliches Leben heute ist.

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