Allgemein Mindset

Money Mindset again

Meiner Mutter ist Kohle egal. Geld spielt für sie keine Rolle im Leben. Das habe ich gerade wieder erfahren dürfen. Das sieht bei mir natürlich ganz anders aus. Soll ich versuchen, sie zu belehren?

Hallöchen aus dem Familienurlaub in den Tiroler Bergen. Wir sind gerade für zwei Wochen in der Ski- und Wanderregion Serfaus-Fiss-Ladis zu Hause. Schön ist es hier und interessant. Denn wenn man mal wieder Zeit hat, mit seinen Liebsten ausgiebig zu plaudern – und damit meine ich nicht den bedeutungslosen Small Talk des Alltages -, erfährt man so einiges. Nicht unbedingt nur Neues, aber oft zieht man doch neue Erkenntnisse daraus. Wie über das Money Mindset meiner Mutter…

Urlaub mit Oma

Meine Mutter ist auch diesmal wieder mit von der Partie. Und im Gegensatz zu den letzten Urlauben mit ihr hatte ich diesmal auch schon das eine oder andere Mal Zeit, mich mit ihr zu unterhalten. Und bei jedem einzelnen Gespräch komme ich zu der Erkenntnis, dass meiner Mutter Geld total schnurz ist. Sie interessiert sich nicht dafür. Im Gegenteil, es ist ihr irrsinnig lästig, sich damit zu beschäftigen.

Reden wir übers Geld

Ich denke, ich habe euch in einigen vorangegangen Blogbeiträgen schon erklärt, dass ich niemanden bekehren will. Jede/r darf ihren/seinen eigenen Umgang mit Geld leben, so wie es ihr/ihm richtig erscheint. Gerne teile ich das bisschen an finanzieller Bildung, das ich in den letzten Monaten erworben habe, erkläre meine Ideen und Vorstellungen und warum Geld für mich sehr wohl eine Rolle spielt. Aber nur, wenn das auch jemand wissen will. Sprich, ich bin sicher nicht der Typ Frau, der den ganzen lieben langen Tag über Geld reden muss. Wenn das Thema darauf kommt, gerne. Aber mir ist es nicht wichtig, aller Welt davon zu berichten. Man kann meine Meinung ohnehin hier am Blog nachlesen, wenn man Lust hat. Wie aber kommt es dann dazu, dass ich immer wieder mit dem Money Mindset meiner Mutter konfrontiert werde?

Im Urlaub lernen. Warum auch nicht? Das Money Mindset der anderen kennen- und verstehen lernen, ist doch überall möglich.
Beim Spaziergang in den Tiroler-Alpen redet es sich leicht. Und beim zweiwöchigen Familienurlaub hat man viiiieeeel Zeit.

Geld ist wichtig

Tatsächlich ist es so, dass Geld doch eine gewisse Rolle spielt. Und in Wirklichkeit ist die Rolle, die es in unserem Leben einnimmt, eine viel größere, wenn zu wenig davon da ist. Wenn das Geld fehlt, dann schafft das Probleme und über Probleme redet man nun mal in der Familie. Meine Mutter zum Beispiel will nicht zu früh in Pension gehen, weil sie dann Teile ihrer staatlichen Rente verliert. Natürlich spielt es also eine Rolle – zumindest wenn es fehlt.

Kein Geld für Oma

Und dann ist da ja noch so eine Sache. Meine Mutter hilft mir ab und zu im Haushalt. Wir haben uns darüber unterhalten, dass ich ab Herbst weniger Zeit zum Arbeiten zur Verfügung habe, weil die Schulzeiten unseres Sohnes wesentlich kürzer sind als die Betreuungszeiten im Kindergarten waren. Ich habe euch im letzten Blogbeitrag über Dividendenaktien bereits kurz davon berichtet. Sie hat sich natürlich gleich angeboten, mir öfter zu helfen und auch ab und zu mal meinen Sohn von der Schule abzuholen. Aber dafür möchte sie kein Geld nehmen. Für mich ist das ein Problem, denn ich möchte nicht, dass meine Mutter, die ohnehin viel weniger Einkommen hat als ich, unentgeltlich bei mir „arbeitet“. Auch das Argument, dass das ja keine „Arbeit“ ist, kann ich nicht gut annehmen. Denn Tatsache ist nun mal, dass ich früher meiner Haushaltshilfe € 12,- pro Stunde bezahlt habe. Ihr versteht bestimmt, warum es sich nicht richtig anfühlt, meiner Mutter nichts für Ihre Hilfe zu geben. Sie meint, sie würde in ihrem eigenen Tempo gemütlich machen bei mir und gerne mit meinem Sohn spielen. Tja, willkommen in der echten Welt, das hat auch meine Haushaltshilfe um € 12,- nicht anders gehandhabt.

Was tun, wenn jemand ein so anderes Money Mindset hat als man selbst

Gut, sie sieht das ein wenig als ihre mütterliche Aufgabe, mich zu unterstützen. Das verstehe ich noch irgendwie. Auch wenn es sich nicht richtig anfühlt, dass sie in Zukunft vielleicht das Mittagessen für meinen Sohn kocht, während ich arbeite. Deswegen war es mir wichtig, einen Kompromiss zu finden. Ihr Angebot abzulehnen, wäre natürlich schlicht dumm gewesen. Das hätte bedeutet, ich bräuchte für meinen Sohn eine Betreuung, die er niemals so gern haben könnte wie seine Oma. Ich müsste mir wieder eine oder mehr fremde Personen (über Plattformen wie betreut.at oder ähnliche) ins Haus holen, was ich auch nicht unbedingt will. UND das alles, wo sie es doch wirklich gerne machen möchte. Sie bittet um Aufgaben, die ich ja habe.

Meine Mutter und ich sehen viele Dinge unterschiedlich zum Beispiel beim Thema Geld. Doch jede akzeptiert das Mindset der anderen.
Unsere Familie ist gesegnet mit einer jungen, dynamischen Oma, die für jeden Spaß zu haben ist.

Unser Kompromiss schaut also so aus, dass wir sie dafür auf Urlaube einladen, die sie sich sonst nicht leisten könnte. Wie diesen gerade jetzt in Tirol. Sie meint zwar, dass sie nicht alles, was wir das ganze Jahr über so unternehmen (was in Zeiten von Corona quasi ohnehin nichts ist), interessiert, aber wenn wir so einen richtigen Familienurlaub machen, freut sie sich, wenn sie mitkommen darf. Das bedeutet ihr mehr als Geld. Und natürlich haben auch wir sie gerne dabei, weil es einfach immer lustig ist mit ihr und wie gesagt: Unser Jüngster liebt sie abgöttisch!

A long way down

Ich würde wohl nicht diesen Blog hier betreiben, wenn das Thema Geld auch mir so zuwider wäre. Aber wie kommt es denn jetzt eigentlich, dass Vermögen für mich eine so große Rolle spielt, während es für meine Mutter nur ein lästiges Übel ist? Zum einen liegt es bestimmt an der hohen Akzeptanz meiner Mutter. Nur weil für sie Geld keine Rolle spielt, heißt das nicht, dass alle so denken müssen. Wenn ich ihr erkläre, dass ich gerne finanziell frei werden will, nimmt sie das genauso zur Kenntnis, wie wenn ich ihr offenbare, dass wir nun eine freie Schule für unser Kind gefunden haben. Dass wir am Vermögensaufbau arbeiten, Immobilien kaufen und vermieten und ich in Aktien angelegt bin, hört sie sich aufmerksam und interessiert an und beglückwünscht mich zu meinen Erfolgen, auch wenn das für sie „nichts ist“.

„Geld macht auch nicht glücklich“

Jetzt wäre es aber gelogen, zu behaupten, ich hätte nicht all die doofen Sprüche in meiner Kindheit gehört. Und einige dieser Glaubenssätze sitzen immer noch tief. Aber daran ist nicht meine Mutter schuld. Ich habe euch ja schon mal davon berichtet, wie das negative Money Mindset von Generation zu Generation weitergegeben wird – in diesem Blogbeitrag. Und einer muss dann eben ausbrechen, wenn er diesen Bullshit nicht weitertragen will. Diejenige bin bei uns in der Familie ich. Was ist mir denn nicht alles zu Ohren gekommen? „Die Reichen sind alles Gauner“ (Ähm, wieviele Reiche kennst du überhaupt?) oder „Wenn du krank wirst, hilft dir das ganze Geld der Welt nichts“ (aber arme Menschen können Krankheiten leichter besiegen oder wie?) oder „Geld verdirbt den Charakter“ (Ach wirklich? Dann sind all die Kriminellen da draußen Superreiche, oder was?) oder „Geld macht nicht glücklich“ (Armut schon?). Ich bin zum Glück mit einem recht scharfen Verstand gesegnet, der gleich mal erkannt hat, welche Aussagen Müll sind. Das heißt aber nicht, dass sie mich nicht trotzdem geprägt haben. Die Einstellung der eigenen Eltern spielt nun mal eine große Rolle in der Entwicklung eines jungen Menschen. So auch bei mir.

Ein positives Money Mindset verbreiten

Aber wie seht ihr das, ist es meine Aufgabe meine Mutter zu belehren? Wäre es wichtig, ihr zu zeigen, dass Geld an sich nichts Schlechtes ist? Ist es vielleicht sogar meine Verantwortung, ihr zu zeigen, dass Geld doch Probleme lösen und Sorgen vertreiben kann? Ich denke, das tue ich ohnehin. Wie auch bei meinen Kindern lebe ich mein Leben und denke, dass das eine gewisse Wirkung auf mein Umfeld hat. Ich erkläre ihr, dass ihre Arbeit wertvoll ist und vergütet gehört. Ich spreche mit ihr über zu teure Verträge und mögliche Einsparungen – aber nur in dem Rahmen, in dem sie das hören möchte. Eben ohne den Anspruch, sie zu belehren, ohne ihr mein Money Mindset aufs Aug‘ zu drücken. Oder sagen wir, ohne sie erziehen zu wollen. Denn so nennt man es bei Kindern und bei Erwachsenen ist es nichts Anderes. Das, was sie von mir erfahren möchte, teile ich mit ihr und damit lasse ich es gut sein. Ich habe euch in dem Blogbeitrag über das „Dankesagen“ von Kindern schon mal zusammengefasst, warum ich finanzielle Bildung wichtig finde, sie aber meinen Kids nie aufzwingen würde. Und da Erziehung weit über eine Eltern-Kind-Beziehung rausgeht, gilt dieses Prinzip für Groß und Klein.

Meine Mutter darf unserem Sohn alles weiter geben - nur nicht ihr Money Mindset
Meine Mutter ist für meinen Sohn weit mehr als eine Aufsichtsperson. Sie ist seine Freundin, fast eine Seelenverwandte.

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