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Meine Kinder sollen nicht „danke“ sagen!

Kindern ihren Anteil am Familien-Einkommen vorzuenthalten, ist schlicht falsch. Sie müssen den Umgang mit Geld erlernen, indem sie eigene Kaufentscheidungen treffen. Außerdem steht ihnen ein Anteil auch einfach zu.

Kinder und Geld… Das mit dem „Danke“ ist ja so eine Sache, oder? Dankbarkeit ist in unserer Gesellschaft gar nichts, was man einfach empfinden darf. Es ist etwas, was man zu empfinden hat. Am besten mehrmals täglich und für alles und jeden. Und irgendwie liegt da schon der Hund begraben. Denn man kann einem Menschen eine Emotion nicht aufzwingen. Ob man will oder nicht. Und wenn dann jemand Dankbarkeit zeigt, der sie gar nicht empfindet, ist das doch nur eine geheuchelte Höflichkeit. Lest doch mal in den Blog „der Kompass“ rein, falls ihr hier den (nicht-)erzieherischen Hintergrund kennenlernen wollt.

Unsere Kinder bekommen von uns nichts geschenkt

… zumindest nicht im Alltag. Der Punkt ist nämlich der: Wir haben (auch von Gesetzes wegen) zwei Personen in diesem Vier-Personen-Haushalt, die Geld verdienen. Und dieses Einkommen ist dadurch automatisch ein Familieneinkommen. So ist das Prinzip ja in jeder Familie, oder? Was aber bedeutet das? Dass jeder einen Anspruch auf dieses Geld hat. „Wer zahlt, schafft an!“, hat in einer Familie schlicht keinen Platz. Selbst wenn die Kinder wollten, könnten sie kein Geld verdienen. Ist nicht erlaubt. Und somit wären sie dann in einer Situation der Ohnmacht gefangen, wenn sie über das Familieneinkommen nicht mitbestimmen dürfen, aber auch nicht die Möglichkeit haben, selbst Geld aufzustellen.

Natürlich können wir nicht einfach das Gesamteinkommen durch vier teilen und jeder tut dann damit, was er will, da wir als Familie ja auch große Strukturkosten zu tragen haben. Das Wohnen will bezahlt werden mit all dem Nebengeplänkel, Lebensmittel brauchen wir, wir haben zwei Autos, zahlen Kosmetik, Wlan und so weiter. Aber was am Ende der Fixkosten übrigbleibt, ist für uns alle da.

Das Ausgabeverhalten ist je nach Alter eines Menschen unterschiedlich geprägt. Zuerst ist es rein lustbesetzt, danach spielen Freunde und deren Konsumverhalten eine große Rolle. Später wirken auch noch Influencer auf die Kinder ein. Das alles ist eine normale Entwicklung.

Sparen ist nicht jedermanns Sache

Jeder von uns hat natürlich seinen eigenen Zugang zum Thema Geld. Die unterschiedliche Herangehensweise ist schon durch das Alter so gegeben. Während für die Kinder Geld rein lustbesetzt ist und so gut wie ausschließlich für schnellen Konsum dient, haben wir Eltern ganz andere Pläne. Wir kümmern uns um den Vermögensaufbau, wir sparen gern und viel und geben unsere Anteile lieber für Urlaube oder Möbel aus als für den vierzigsten schwarzen Kapuzenpulli oder das zweihundertste Schleichtier.

Hilfe, unsere Kinder werfen das Geld beim Fenster raus!

Ab dem Alter, in dem Kinder Taschengeld erhalten, sind sie selbst bemächtigt, Dinge zu kaufen oder nicht zu kaufen. Und eines steht für uns fest: Über das Geld der Kinder dürfen wir nicht verfügen! Das bedeutet nicht nur, dass wir es nicht für unsere Zwecke verwenden dürfen, sondern auch, dass es nicht richtig ist, ihre Kaufentscheidungen zu beeinflussen oder in Frage zu stellen. Ihr Geld, ihre Sache, was sie damit tun. Das ist das eine oder andere Mal schon ein wenig hart, das gebe ich offen zu.

Gleiches gilt übrigens auch, wenn wir dem Kleinsten sagen, dass er sich etwas aussuchen kann. Dann muss man ihn auch aussuchen lassen. Und wenn das die vierte Lego-Burg ist, dann ist es die eben. Er bekommt noch kein Taschengeld (was wir demnächst ändern werden), aber auch wenn er eine Kaufentscheidung trifft, was er mit seinem Anteil am Familieneinkommen gern tun kann, geht uns das nichts an. Er versteht vielleicht auch nicht, warum Mama und Papa den teuersten Bohnenkaffee kaufen müssen. Dennoch tun wir es. Ich habe ja schon mal einen ganzen Blogbeitrag darüber geschrieben, woran bei uns nie gespart wird.

Wir Eltern brauchen vermutlich nicht 200 Lego-Figuren. Aber unsere Kinder wiederum brauchen nicht zehn verschieden Gesichtspflegeprodukte. Dennoch akzeptiert bei uns jeder die Kaufentscheidungen des anderen.

Aber wenn doch sparen so wichtig ist…

… warum bringen wir es unseren Kindern nicht bei? Ich denke, das tun wir. Denn Kinder lernen durch Vorbilder. Und dadurch, dass Mama und Papa sich über Finanzthemen austauschen, klare Ziele haben und Maßnahmen setzen, um diese zu erreichen, sehen Kinder einen anderen Umgang mit Geld, als sie ihn betreiben. Wir reden in der Familie über Finanzthemen ganz offen beim Abendessen oder wo auch immer es gerade ansteht und binden die Kinder mitein, so gut es geht. Sprich, hier gibt es keine heuchlerischen „Ihr müsst mal sparen lernen“-Aufforderungen, sondern wir leben vor, wie wir es eben für richtig halten.

Rendite, Laufzeit, Exekutor

Tja, das sind Begriffe mit denen viele Erwachsene noch nicht einmal was anfangen können. Unsere Kinder schon. Denn wie gesagt, sprechen wir über Geldangelegenheiten genauso wie über den Schulalltag. Es gehört zum Leben. Und sie dürfen auch gerne schon so früh wie möglich verstehen, wie Geld arbeitet. Sie fragen natürlich nach, wozu wir Wohnungen kaufen wollen, in denen wir niemals wohnen werden. Oder was mit dem Geld passiert, das wir von Oma geschenkt bekommen haben. Und dann erklären wir ihnen genau das. So bildlich, wie sie es brauchen und so detailliert, wie sie es hören wollen.

Vorsorge muss sein

Für Kinder ist der Begriff der Vorsorge nicht greifbar. Natürlich nicht. Wozu ist denn Geld da? Um es auszugeben. Es ist ein Tauschmittel. Und über diese einfache Begriffserklärung kommen Kinder noch nicht gut hinaus. Müssen sie auch nicht, denn das ist ja auch tatsächlich der Sinn von Geld. Dass es sich aber von selbst vermehrt, und in der Zukunft einen dauerhaften Ertrag einbringen kann, versteht vielleicht der 17-Jährige schon, aber bei einem 5-Jährigen hat man da noch keine Chance. Daher legen wir auch die Vorsorge NICHT in die Hände der Kinder. Das übernehmen wir für sie. Wir erklären das immer und immer wieder – auch wofür wir das tun und was mit dem Geld passiert, aber wir zwingen sie nicht zum Sparen. Sparen ist unsere Aufgabe. Gerne können sie natürlich was zur Seite legen, aber sie müssen nicht. Wir empfehlen immer schon die 10%, denn wenn man schon so früh damit anfängt, reicht das leicht aus, aber wenn sie nicht wollen, dann eben nicht. Den Stauraum für die vierte Lego-Burg tun wir auch noch irgendwo auf.

Nur wenn Kinder auch mit Geld hantieren dürfen, können sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und daraus lernen.

Wir haben für unsere Kinder ETF-Sparpläne angelegt. Was das ist, lest ihr in der Serie über ETFs für Einsteiger (ETFs I, ETFs II, ETFs III). Wenn überraschender Weise dann von irgendwoher ein größerer Brocken Geld hereinflattert, dann kaufen wir auch mal Einzelaktien für sie. In dem Fall mache ich es so, dass ich mir ein Unternehmen raussuche, das meinen Anlagekriterien entspricht, aber den Kindern bekannt ist und von ihnen positiv wahrgenommen wird. Ich weiß nicht, ob das unbedingt notwendig ist, aber ich denke mir, es bringt Freude, beim Gucken eines Disney Films zu hören, dass man Aktien des Unternehmens besitzt.

Langfristigkeit ist ja auf jeden Fall gegeben. Wir haben breit gestreut und streuen in Zukunft noch weiter. Somit sind wir am Kapitalmarkt gut aufgehoben. Aber auch Immobilien sollen das Risiko noch weiter minimieren, da wir mit Ersparnissen aus anderen Quellen den Kindern auch gerne Anlegerwohnungen kaufen wollen. Über diese Thema habe ich hier was geschrieben. Der Jüngste bekommt heuer seinen ersten Bausparvertrag ausbezahlt. Den Betrag würden wir schon für den Kauf einer Wohnung hernehmen.

Wir sparen, sie geben aus

Tja, so kann man den Alltag wohl zusammenfassen. Mein Mann und ich sind für die Grundversorgung und den Vermögensaufbau (also auch das Sparen) zuständig. Die Kinder dürfen ihren Anteil gerne verwenden, wie sie wollen. Und ein „Danke“ brauche ich dafür wirklich nicht zu hören. Denn das ist nun mal die Aufgabe der Eltern – die Familie zu versorgen.

Wenn sie mal unserem Beispiel folgen, freuen wir uns natürlich sehr. Aber wenn sie ein anderer Lebensstil glücklich macht, ist das auch in Ordnung!

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