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Kissing Feminism Goodbye!

Und plötzlich sind wir wieder Hausfrau und Mutter. Das Corona-Virus zeigt ja momentan so richtig auf, was in der Gesellschaft schief läuft. Auch, dass Frauen in der Arbeitswelt noch lange nicht gleichberechtigt sind.

Durch Corona erleben wir gerade ganz neue Zeiten. Plötzlich sind alle wieder zu Hause. Wie anno dazumal. Und das Erschreckende: Wie damals auch sind die Frauen wieder für Heim, Herd, Kind und Kegel verantwortlich. Feminismus, adé – als hätte es Jahrzehnte der Gleichberechtigungsbewegung nicht gegeben.

Arbeitsalltag zu Corona-Zeiten

Vor einiger Zeit habe ich euch ja schon erzählt, dass für mich ein geregelter Arbeitsalltag ohnehin nicht machbar wäre. Könnt ihr euch erinnern, ihr findet den Beitrag unter „Arbeitsalltag, was soll das denn sein?“. Ich habe die längste Zeit schon im Home Office – genaugenommen am Küchentisch – gearbeitet. Dinge, die hierzulande plötzlich Gang und Gäbe sind. Und auch bei mir ist das nach wie vor so. Mein Büro, auf das ich mich im neuen Haus ja am allermeisten gefreut habe, wurde nicht fertig, bevor die Ausgangssperren verhängt wurden. Wie ihr hier lest, war das für mich eigentlich einer der Hauptgründe für den Umzug. Und so arbeite ich in neuer Umgebung wieder am Esstisch. Daher hat sich für mich persönlich jetzt wahrscheinlich weniger verändert als für viele andere.

Wer Kinder will, bekommt genau das…

…und zwar im vollen Ausmaß. Nicht nur die süßen Familien-Urlaubsfotos, sondern auch die Unzufriedenheiten mit dem Essen. Den Schlafmangel, die Unordnung und das Aufmerksamkeitsbedürfnis. Das mal vorweg. Und es gibt immer wieder Extremsituationen. Die einen haben ein Schreibaby, die anderen haben Kinder, die bis zum Sanktnimmerleinstag stillen und die dritten kämpfen mit monatelangen Kränklichkeiten. Und jetzt alle kämpfen wir plötzlich mit Ausgangssperren. Die Kinder sind den ganzen Tag zu Hause. Den ganzen Tag! Ob wir nun arbeiten sollen oder nicht. Übrigens habe ich dazu am Blog von www.mamamuh.com einen ganz lustigen Gastartikel schreiben dürfen. Vielleicht wollt ihr euch den mal durchlesen, wenn ihr was zu lachen braucht.

Kinderbetreuung ist auch jetzt wieder Frauenangelegenheit.
Kinder zuhause zu betreuen, geht nicht einfach so nebenbei. Das ist zeit- und energieintensiv, auch wenn es schön ist.

Frauen zurück an den Herd

Aber wer ist jetzt eigentlich derjenige in der Familie, der die Kinder im Zaum hält? Wer kümmert sich darum, dass sie zu essen kriegen? Dass sie bespaßt werden und dass sie ihre schulischen Aufgaben schaffen? Es sind wohl die Frauen, die in dem Moment, als es ernst wurde, all ihre Agenden niedergelegt haben oder niederlegen mussten und sich Heim und Herd gewidmet haben. Aber wieso ist das der Fall? Ist dieses Virus das Aus für den Feminismus?

Das Virus ist nicht schuld

Nein, es liegt nicht am Virus. Das habe ich auch schon beobachtet. Corona kann nichts dafür. Viel mehr ist es so, dass wir einfach auch davor bei weitem nicht da waren, wo wir hingehören. Ich habe mir ganz, ganz viele Statements angehört von Frauen, die sich beruflich jetzt zurücknehmen. Warum legen denn die Frauen plötzlich die Arbeit nieder oder jonglieren Arbeit, Haushalt und Kinder gleichzeitig? Die häufigsten Antworten, die ich dazu bekommen habe, waren: Weil mein Mann mehr verdient und wir nicht auf das Geld verzichten können. Oder: Ich arbeite nur 30 Stunden, mein Mann 40plus, deshalb bleibt mir mehr Zeit für die Dinge zu Hause. Oder: Mein Mann ist ja leitender Angestellter und nicht wie ich auf Kurzarbeit geschickt worden. Was sagen all diese Argumente unterm Strich aus? Ganz einfach, dass Männer in der Arbeitswelt immer noch einen höheren Stellenwert besitzen als Frauen. Wir sind sowas von nicht emanzipiert.

Wer putzt denn jetzt die Küche? Die Frauen natürlich. Feminism over and out.
Kochen, putzen, mit den Kindern lernen. Das alles muss erledigt werden – und wie es aussieht von den Frauen.

Wie kommen wir da raus?

Jetzt haben wir gerade eine Ausnahmesituation. Oder lasst uns das zumindest hoffen. Inmitten der Ausgangssperre das System zu knacken, ist wahrscheinlich recht schwierig. Andererseits werden uns gerade in diesem Moment die Augen geöffnet für all das, was immer noch schief läuft. Und das dürfen wir auf keinen Fall gleich vergessen, wenn das Rad wieder normal läuft.

Aber wie soll es denn sonst klappen?

Natürlich ist es einfach, sich als Frau jetzt auch ein wenig darauf rauszureden, dass es halt nun mal nicht anders geht. Denn erstens kann man dann nichts dafür, wenn man karrieretechnisch hinterherhinkt. Das kann man dann auf das Virus schieben. Und zweitens ist es doch auch was wirklich Schönes, wieder mal einfach Mutter sein zu dürfen, oder? Also, ich persönlich genieße diese intensive Zeit mit dem Kleinsten schon irrsinnig. Ich würde mal sagen, das ist auch ganz normal und überhaupt nicht verwerflich. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch Zeit für mich und die Arbeit will und brauche. Und die fordere ich ein. Kontinuierlich! Mein Mann und ich besprechen (manchmal schon am Vorabend, wenn ich ihn dazu bewegen kann), wer was alles zu tun hat. Da ich ja mit To-do Listen durch die Woche marschiere, tue ich mir da recht leicht, das auch zeitlich schon ausmachen zu können. Und dann wird besprochen, wann ich diese Agenden unterbringen kann und wann er seine Dinge unter Dach und Fach bringt. Wir wechseln uns also quasi ab in der Kinderbetreuung und Arbeit.

Arbeiten, wo und wann man kann... Das verlangt viel Flexibilität, aber wer das meistert, kann sich seine Freiheit bewahren.
Schnell mal irgendwo eine Arbeitsstunde einbauen. Vor dem Fernseher, in der Wiese, nach dem Mittagessen…

Schnapp dir, was dir gegeben wird

Und ich habe auch einen sehr großen Vorteil, nämlich, dass ich Frühaufsteherin bin. Ich brauche keinen Wecker, ich wache eigentlich so gut wie nie später als um 7 Uhr auf. Meist eher 6. Und bin dann auch direkt leistungsfähig. Ich würde mal sagen, so bis 11 ist für mich sowieso die ideale Arbeitszeit. Der Rest der Familie sind eher Langschläfer. Vor 9 passiert da nicht viel. Oft schnarchen sie aber noch wesentlich länger. Also nutze ich ganz bewusst die Zeit, die ich auf jeden Fall mal arbeiten kann. Das sind dann täglich auch schon zumindest zwei bis drei Stunden.

Natürlich sind da nicht alle Menschen gleich. Aber es gibt doch in jedem Haushalt diese kleinen Löcher. Wenn die Kids einfach mal fernsehen wollen. Oder sowieso lieber miteinander spielen. Oder mit Papa. Oder abends schon früher schlafen. Das geht dafür bei mir wieder nicht. Weil ich ja meist die erste bin, die wegmützt.

It’s never enough

Natürlich reicht das nicht. Aber seien wir mal ehrlich, wann haben wir denn schon genug Zeit für alles, was wir erledigen wollen? Die hatte ich vor dem Virus nicht und jetzt auch nicht. Für mich heißt die Devise jetzt: Runter schrauben. In allen Belangen. Ich konzentriere mich wirklich ausschließlich auf meine langfristigen Projekte. Schnelle Aufträge kommen gerade sowieso nicht rein. Ich habe im letzten Beitrag auch schon geschrieben, warum es gar nicht so ein Drama ist, dass mein Einkommen gerade drastisch gesunken ist: Weil die Ausgaben dieselbe Abwärtskurve hingelegt haben. Noch einmal ganz plastisch erklärt: Wenn ich € 6.000 verdiene und davon € 5.000 ausgebe, habe ich für meinen Vermögensaufbau gleich viel übrig wie wenn ich € 1.700 verdiene und € 700 ausgebe. Der Prozentsatz ändert sich dramatisch, aber in absoluten Zahlen bleibt die Sparrate gleich.

Aber wenn die Arbeit nun mal weg ist

Jetzt ist das für Freiberufliche wie mich natürlich schon ein wenig leichter, sich einfach mal auf die langfristigen Projekte zu stürzen. Aber manch eine hat den Job verloren oder ist auf Kurzarbeit geschickt worden. Da hat man dann eben keine langfristigen Projekte, denen man sich widmen kann. Dann ist es doch nur logisch, dass Frau sich auf die Kinder und den Haushalt konzentriert, oder? Ja, ist es. Aber irgendwann ist dieses Virus besiegt. Irgendwann läuft es wieder weiter. Ob die Welt die gleiche sein wird wie davor oder eine neue Gesellschaft entsteht, wissen wir nicht. Jetzt ist die Möglichkeit da, sich neue Projekte zu überlegen. Alten oder neuen Hobbys nachzugehen. Besser zu werden in Dingen, die wir lieben. Sich fortzubilden, sich Ziele zu setzen und sich um sich zu kümmern. Neben dem Haushalt, neben den Kindern, neben dem Ehemann.

Einen Gang zurückschalten

Viele genießen aber auch einfach, dass jetzt mal nicht so viel los ist. Dass die Familie so viel Zeit zusammen verbringt und der alltägliche Stress draußen ist. Genauso wie ich. Aber ein wenig kürzer zu treten, muss nicht heißen, nichts zu tun, oder? Denn wenn das Hobby zum Beruf wird, will man ja auch das Plus an Freizeit, das man jetzt hat, dafür verwenden. Und das ist irgendwie die Magic an der ganzen Sache…

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