Allgemein ETF Vorsorge

ETFs für Einsteiger III

Ob ETFs überhaupt die richtige Anlageform für jemanden sind, hängt von einigen (teils sehr persönlichen) Kriterien ab.

Teil 3: Wann machen ETFs denn überhaupt Sinn?

Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass niemand übereifrig war und sich gleich ein paar ETFs zugelegt hat, sondern alle noch schön den dritten Teil der Mini-Serie abgewartet haben. Denn es macht nicht unbedingt in jeder Situation Sinn, sein Geld in ETFs anzulegen. Wer sich gerade jetzt fragt, was zum Henker ETFs sein sollen und worum es hier geht, beginnt bitte beim ersten Teil der Artikelserie und arbeitet sich auch durch den zweiten durch.

Eines vorweg: Ich bin keine Spekulantin. Wer gerade zu viel Spielgeld rumliegen hat und am Aktienmarkt spekulieren will, wird bei mir am Blog ganz generell nicht fündig. Ich erwähne ja sehr oft, dass ich eine buy-and-hold Strategie verfolge. Im Prinzip sagt der Begriff selbst ja schon so gut wie alles aus. Wer aber eine ganze einfach Definition will, bekommt sie bei Wikipedia.

Ich kaufe meine ETFs, um sie ganz lange zu halten und nicht, um damit beim Verkauf schnelle Gewinne zu machen.
Nix „kaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen“! Ich kaufe und halte und halte und halte. Für mindestens 15 Jahre.

I buy. And how long do I hold for?

Lange, lange, liebe Leute. Der Anlagehorizont bei ETFs sollte wirklich sehr großzügig sein. In meinem Fall sind es zumindest 15 Jahre, vielleicht sogar 20. Und auch dann habe ich nicht vor, zu einem bestimmten Datum hin mein Depot aufzulösen. Also, genaugenommen habe ich gar nicht vor, meine Milchkuh zu schlachten, wenn ich es mal so ausdrücken darf. Aber das ist eine andere Geschichte. Wenn ihr euch also dazu entschließt, passive Fonds zu kaufen, dann sollte das Geld so lange dort liegen können, dass Krisen und Rezessionen an euch vorüberziehen. Macht Sinn? Ist ja auch nicht gesagt, dass in genau 15 Jahren, wenn ich vielleicht vorhabe, meine ETFs zu verkaufen, die Welt nicht gerade in einer großen Wirtschaftskrise steckt. Dann sollte man da schon einen gewissen Spielraum einplanen! Fünf Jahre sind wahrscheinlich nicht notwendig. Das ist eher für mich der „grobe“ Zeitplan, weil ich ja nicht weiß, ob ich nicht noch ganz, ganz viele wundervolle Jahre so weiter arbeiten kann und will wie jetzt.

Warum durch Krisen durchtauchen?

Krisen kommen, Krisen gehen. Wer aber in der Krise verkauft, realisiert die Verluste. Und zwar tatsächlich erst dann. Meine Aktien mögen zwar weniger Wert sein zu gewissen Zeiten, aber deswegen ist ja noch nichts passiert. Wenn ich davon ausgehe, dass sich das schon wieder erholt und in Zukunft ganz anders aussehen wird, brauche ich mir deshalb keine grauen Haare wachsen zu lassen. Ich habe mal einen Artikel über Weltuntergangstheoretiker und meine Einstellung dazu geschrieben. Vielleicht ist der ja interessant für euch.

Schnell reich ist nicht

ETFs sind also – wie ihr jetzt sicher schon verstanden habt – kein Instrument für schnellen Reichtum. Übrigens zweifle ich daran, dass es dieses Instrument überhaupt gibt. Ich habe es für mich jedenfalls noch nicht entdeckt. Und wann immer man sowas versprochen bekommt, klingeln bei mir schon alle Alarmglocken. Das sollte bei euch auch so sein.

Mir persönlich kommt vor, dass dadurch viele gleich den Mut verlieren. Die Vorstellung, man könne erst in 10 Jahren davon zehren, ist für einen Haufen Menschen total frustrierend. Dann lassen sie es lieber gleich bleiben. Ich selbst sehe das so, dass ich in 10 Jahren immer noch derselbe Mensch bin wie heute und mich voll über mein passives Einkommen freuen werde. Tatsächlich schaut es bei mir so aus, dass ich es brauchen werde, wenn ich im Alter meinen Lebensstandard halten will. Meine ETFs werden nicht reichen, das ist auch klar, aber sie sind ein Baustein von vielen.

ETFs sind für Nervenstarke

Wer jetzt schon weiß, dass er rote Zahlen in seinem Depot nicht ertragen könnte, der sollte lieber die Finger davon lassen. Denn bei einer Laufzeit von 10 Jahren wird jeder mal rote Zahlen zu Gesicht bekommen. Und wer dann verkauft, hat verloren! Ihr könnt euch da sicher selbst gut einschätzen. Schlaflose Nächte sollte euch das Investieren in ETFs jedenfalls nicht bescheren!

Bei Investments heißt es, Nerven bewahren. ETFs sind nur sinnvoll für Menschen, die ein wenig Coolness an den Tag legen können!
Wer von Anfang an weiß, dass rote Zahlen einen Nervenzusammenbruch bedeuten, der sollte vom Aktienmarkt die Finger lassen!

Endlich mal ein bisschen was auf der Seite und jetzt rein in den Aktienmarkt?

Ganz klares „Nein“. Sparen ist wichtig und Gespartes zu investieren, ist immer eine gute Idee. Aber zuerst muss mal ein Notgroschen aufgebaut werden. Denn: Das Geld, das man in ETFs anlegt, soll dort auch liegen bleiben. Sonst macht diese Form der Anlage keinen Sinn. Wenn euch morgen die Waschmaschine eingeht, dann darf nicht Notstand herrschen und das Depot wieder aufgelöst werden. Versteht ihr, worauf ich hier hinauswill? Ihr braucht einen Puffer, damit ihr nicht womöglich verlustreiche Verkäufe tätigen müsst zu einem bestimmten Zeitpunkt. Darum geht es. Die Ratschläge, wie hoch dieser Notgroschen sein soll, variieren immer sehr stark. Dadurch, dass ich selbstständig bin und somit kein geregeltes Einkommen habe, ist es sicher höher als bei vielen anderen. Wenn jemand seinen Alltag ganz gut bestreiten kann mit einem Angestelltengehalt und da auch immer ein wenig zur Seite legt, reichen vielleicht schon drei Monatsgehälter, um eine mögliche Arbeitslosigkeit überbrücken zu können. Bei mir sind es im Moment sechs Monate, die ich gänzlich ohne Einkommen (also auch ohne passive Einnahmen durch den Buchverkauf) auskäme. Damit fühle ich mich ganz wohl und darum geht es ja. Wer also keinen Puffer hat, der sollte lieber hier ansetzen anstatt alles gleich direkt zu investieren. Oder zumindest beides gleichzeitig tun, wenn sich das finanziell ausgeht.

Was ist das richtige Alter, um mit dem Vermögensaufbau mittels ETFs zu beginnen?

Ich bin ja fast verleitet, zu sagen, jedes Alter ist richtig. Es sind sicher oft unterschiedliche Gesichtspunkte, unter denen man die Sinnhaftigkeit bewertet, aber wer sich schon diese Frage nach dem Alter stellt, der kann damit beginnen. Zu jung gibt es sicher nicht. Im Gegenteil. Je früher man beginnt, desto eher zehrt man davon. Ich habe ja mal nachgerechnet und festgestellt, dass ich bereits finanziell unabhängig wäre, wenn ich in meinen Studienzeiten (zu denen ich gut viel verdient habe) bereits mit dem Investieren angefangen hätte. ETFs allein hätten das vielleicht auch nicht geschafft, aber hätte ich mich mit allen Aspekten der „finanziellen Unabhängigkeit“ auseinander gesetzt, könnte ich nur noch meinen Launen nachgehen. Und dafür hätte ich damals auch nicht auf viel verzichten müssen. Es ist jetzt nicht so, dass mich dieses Wissen traurig macht, aber durch diese Rechnung, die nicht allzu schwierig aufzustellen war, weiß ich, dass es „zu früh“ nicht gibt!

Aber „jung“ haben wir nun mal schon verpasst

Wenn einen das frustriert, dass man diesen ganz frühen Einstieg versäumt hat, ist man oft wie gelähmt. Jetzt bin ich Ende Dreißig. Ich verdiene ganz gut und als Familie haben wir alles, was wir brauchen und noch viel mehr. Ihr wisst ja, dass ich jetzt auch nicht unbedingt ein großer Fan von Statussymbolen bin. Das habe ich euch in dem Blogartikel über meine persönliche Bedeutung von finanzieller Unabhängigkeit schon erzählt. Warum also sollte ich jetzt investieren und die Mittel nicht einfach genießen, solange wir „so jung“ (unter Anführungszeichen, denn Ende Dreißig ist ja auch nicht mehr sooooo jung) sind? Weil es mir dann in zehn oder 15 Jahren ja wieder so geht, dass ich mich ärgere.

Zu spät gibt es eigentlich auch nicht. Oder sagen wir, hier kommt es zumindest auf die Zielsetzung an. Wer mit 80 14mal pro Jahr seine Mindestpension kassiert, wird sich vielleicht nicht mehr viele Gedanken über die finanzielle Unabhängigkeit machen. Aber mittels ausschüttenden ETFs seine Mittel ein wenig aufzubessern, kann durchaus Sinn machen.

Das richtige Alter, um mit dem Vermögensaufbau anzufangen ist JETZT. ETFs sind ein gutes Mittel dafür.
Gibt es das richtige Alter fürs Investieren? Ich glaube nicht. Es gibt Personen, für die es passt und solche für die es nicht passt. Von Alter hängt es nicht so stark ab.

ETFs als Vorsorge

Meine ETFs sind ja zur Vorsorge gedacht. Für mich selbst und die Kinder. Dafür sind sie wirklich gut geeignet. Aber ich gebe hier zu bedenken, dass ich auch nicht nur auf dieses eine Pferd setze. Viele der ETFs sind schon breit gestreut, was das Risiko minimiert. Ich selbst habe drei verschiedene im Portfolio. Das reicht mir jedoch immer noch nicht in punkto Streuung. Ich setze noch auf meine selbstständige Arbeit, auf Tantiemenzahlungen aus den Buchverkäufen und auf Immobilien. Und was die Zukunft angeht, bin ich auch da immer noch nicht fertig.

Ich hoffe, ihr habt jetzt ein Gefühl für die Anlageform der ETFs bekommen und könnt anhand der Informationen in der Mini-Serie entscheiden, ob das für euch Sinn macht oder nicht. Und wenn ja, wisst ihr, wie ihr vorgehen müsst, um die richtigen ETFs auszuwählen und zu kaufen. Ich wünsche viel Erfolg!

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