Allgemein ETF Vorsorge

ETFs für Einsteiger

Hier gibt es in einer dreiteiligen Serien die wichtigsten Infos zu ETFs als Anlageform. Wie und wo kauft man ETFs, was ist zu beachten und wofür eigenen sie sich überhaupt.

Teil 1: Wie funktioniert der Kauf von Aktien und ETFs?

Immer wieder werde ich angesprochen, was denn nun diese ETFs sind und wie man die kaufen kann. Prinzipiell ist es ganz einfach – wie alles, was man schon mal gemacht hat. Aber eben saukompliziert, wenn man mit dem Aktienmarkt noch gar keine Berührungspunkte hatte. Ich habe mir jetzt jede Menge Gedanken darüber gemacht, was ich euch an dieser Stelle mitgeben kann, das das Verständnis stärkt und das Prozedere erleichtert. Da es den Umfang eines Blog-Beitrages sprengt, euch die wesentlichen Dinge zu erklären, starte ich eine Serie. In diesem ersten Teil erkläre ich euch einmal Schritt für Schritt, wie ihr überhaupt zu ETFs kommt. Das könnt ihr dann auch gleich umlegen auf alle Aktien, denn ETFs sind ja nichts anderes als Aktienkörbe und wo man die bekommt, bekommt man auch Einzelaktien.

Der nächste Artikel wird sich dann mit der Auswahl der richtigen ETFs beschäftigen. Da gibt es noch einen Haufen Begriffe, die eine mehr oder weniger große Rolle spielen, aber die vielleicht noch eine gewisse Hemmschwelle darstellen können. Und im dritten und letzten Teil der Serie werde ich euch sagen, wann die Anlageform ETF empfehlenswert ist und wofür ihr lieber auf andere Möglichkeiten zurückgreifen sollt.

ETFs zu kaufen hat mit Wallstreet-Bildern nicht mehr viel am Hut.
Nö, so muss man heutzutage nicht mehr draufsein, wenn man mit Aktien handeln will. Das geht ohne viel Firlefanz und ohne lästiges „Kaufen-Verkaufen“.

Wofür brauche ich denn einen Broker?

Als allererstes brauchst du mal einen Broker. Das klingt immer so nach Wallstreet, oder? Sich einen Broker suchen… Ein Broker ist übrigens heutzutage keine Person. Versteht das eher wie eine online-Bank, bei der ihr ein Konto anlegt. Zumindest von der Abwicklung her kann man das so ganz gut vergleichen. Der Broker kauft und verkauft in eurem Namen Aktien. Der Broker ist also das „Institut“ und das Konto, auf dem eure Aktien liegen, nennt sich Depot.

Warum denn zuerst den Broker auswählen?

Einfach aus Zeitgründen. Denn bis dein Depot beim Broker eröffnet ist, kannst du dich in aller Ruhe mit der Auswahl der ETFs beschäftigen. Denn ein bisschen anders als die Eröffnung eines Bankkonto ist die Eröffnung eines Depots dann doch. Du musst nämlich deine Risikobereitschaft ermitteln. Die meisten ETFs sind in der Klasse D, ich habe einen im Portfolio, der hat nur Klasse C, was aber immer noch recht hoch ist. Wie du deine eigene Risikobereitschaft feststellst, erkläre ich dir im letzten Teil der Serie. Außerdem musst du dich noch identifizieren, AGBs lesen und ein bisschen herumprobieren, ehe du loslegst. Übrigens bieten einige Broker Video-Identifikationsverfahren an. Hat bei mir noch nie geklappt! Aber auch das Postident-Verfahren dauert keine Ewigkeit und das funktioniert zumindest in der Regel richtig gut.

Und welchen Broker nehm‘ ich jetzt?

Es gibt einige gute Broker, von denen ich allerdings nur einen empfehlen kann. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich ja nur einen habe. Nämlich Flatex. Ich habe konkret den ausgewählt, weil er zum Einen in Österreich die Kest automatisch abführt und ich keinen Bock hatte, dafür noch einen Steuerberater zu engagieren (bei thesaurierenden ETFs ist das nämlich nicht ganz so einfach, aber dazu mehr in Teil 2). Und zum Anderen aus Kostengründen. Das Depot ist gratis und für die Order (das ist die Bestellung von Aktien) gibt es eine Flatrate. Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass ich von Flatex nicht für die Nennung bezahlt werde. Auch will ich gar nicht dafür werben, sondern euch berichten, mit welchem Anbieter ich persönlich arbeite. Eine ganz gute Liste aller österreichischen Broker findet ihr auf testsieger.at. Bitte informiert euch also selbst und sucht euch den Broker aus, der euch am sympathischsten ist. Wenn Flatex euer Ding sein sollte, kann ich euch gerne werben. Dann könnt ihr euch ein paar gratis Order sichern. Hier geht es zur Flatex Kunden-werben-Kunden-Seite. Meldet euch gerne bei mir unter finanziellfreiinzwei@gmail.com mit euren Email-Adressen, wenn ihr wollt, dass ich euch werbe.

Wenn es genau ein ganz bestimmter ETF sein muss…

Es gibt ja flexiblere und weniger flexible Menschen. Wenn ihr zu den weniger flexiblen Menschen gehört, dann sattelt das Pferd bitte von hinten auf. Sprich: Ihr sucht euch erst euren Wunsch-ETF (oder auch mehrere) aus und dann erst den Broker dazu. Warum? Weil es durchaus sein kann, dass genau dieser eine ETF von dem ausgewählten Broker nicht gehandelt wird. Was euch nicht passieren kann, ist, dass euer Wunschindex nicht vertreten ist. Aber es gibt natürlich eine ganze Menge ETFs zur Auswahl auf einen Index. Für mich spielt das keine allzu große Rolle, muss ich sagen. Ich habe im Vorfeld meine Ansprüche definiert und bin dann der Reihe nach alle ETFs durchgegangen, die in Frage gekommen sind. Und schwupps hatte ich schon die für mich passenden gefunden. Aber beides ist möglich: Entweder erst Broker und dann ETF wählen oder erst ETF wählen und dann einen Broker suchen, der den auch führt.

ETFs? Was heißt das eigentlich?

Jetzt kommen wir hier mal zum Punkt: Also, ETFs steht mal für Exchange Traded Funds. Es sind also Fonds. Und zwar indexbasierte Anlagefonds. Das heißt, man entscheidet sich vor dem Kauf eines ETFs für den Index, den man gerne besparen möchte. Was ist jetzt schnell noch mal ein Index? Ein Index ist zum Beispiel der ATX, der DAX, der Dow Jones, der MSCI World. Und je größer und breiter gestreut der ist, desto besser. Es gibt Indizes für unterschiedliche Länder, Branchen, Wirtschaftssektoren. Der Index gibt die Entwicklung einer bestimmten Aktiengruppe (eben unterteilt in Länder, Sektoren etc.) an. So, und der ETF bildet genau diesen Index nach. Das heißt: Du wählst erst den Index. Und dann einen ETF, der diesen Index bespart und hast in deinem Depot genau die gleiche Aufteilung genau der Aktien, die im Index vertreten sind. Klar soweit?

Der Index ist wichtig für den Kauf von ETFs. Erst sucht man sich den Index aus und dann den nachbildenden ETF.
Ein Index ist die Kursentwicklung eines Aktienbündels. Hier seht ihr die Entwicklung des Dow Jones innerhalb eines Jahres. Es gibt viel mehr unterschiedliche Indizes, als die meisten kennen, und für alle gibt es einen Haufen ETFs.

Warum dann nicht einfach einen Fonds bei der Bank kaufen?

Wenn jetzt ETFs auch Fonds sind, wofür dann der ganze Trouble mit Broker, ETF auswählen, alles selber kaufen, wenn einem doch der nette Bankbetreuer eh immer in den Ohren liegt, dass wir nun wirklich mal in Fonds investieren sollen? Bitte Achtung: Es bestehen ganz erhebliche Unterschiede zwischen den Fonds der Banken und ETFs.

ETF

passiver Fonds: Aktien kommen rein oder fallen raus wie im Index.


Kosten: Dadurch, dass hier nichts aktiv gemanaged wird, sind die Kosten niedrig und gut überschaubar.

Keine Risikokäufe: Der Index wird nachgebildet. Sprich, hier ist man nicht vom Talent eines Fondsmanagers abhängig, was die Geldanlage angeht.

Fonds

aktiver Fonds: Ein Fondsmanager entscheidet, welche Aktien reinkommen und rausfallen.

Kosten: Hier partizipiert nicht nur dein Bankbetreuer, sondern auch der Fondsmanager, welcher in der Regel richtig viel kassiert.

Risiko „Mensch“: Fondsmanager versuchen immer, den Index zu schlagen. Auf Dauer schaffen sie es nie. Man ist immer auch dem Risiko ausgesetzt, dass der Fondsmanager sich verspekuliert.

Welchen ETF soll ich wählen?

Da verhält es sich ähnlich wie mit dem Broker. Das müsst ihr für euch selbst herausfinden. Dafür habe ich ein paar ganz gute Sourcen: Madame Moneypenny hat mal eine Checkliste für eine ganze Menge ETFs rausgebracht. Ich glaube, damals habe ich es zum Hörbuch „Bali statt Bochum“ dazubekommen. Aber da bin ich mir nicht mehr sicher. Generell sind ihre Inhalte für ETF-Anfänger das A und O. Hört euch den Podcast an, lest den Blog und tretet der Facebook-Gruppe bei. Dann steigt ihr ganz schnell durch in der Thematik. Wirklich nützlich ist auch die Seite justetf.com. Ich habe damals alles über diese Seite recherchiert. Gerne sage ich euch, welche ich bespare, aber bitte nicht einfach blind nachrennen. Ich bin kein Finanzberater! Für mich selbst bin ich am IS C.MSCI EMIMI U.ETF DLA und am ISHSIII-CORE MSCI WLD DLA angelegt und für meine Kinder habe ich mich für den ARERO – DER WELTFONDS entschieden. Die Bezeichnungen klingen jetzt total undurchsichtig. Kurze Erklärung: Der Erstgenannte ist ein MSCI Fonds, der Emerging Markets abbildet, der zweite ist ein MSCI Fonds, der die Entwicklung der größten Player der Industriestaaten nachbildet. Beides sind Weltfonds, das heißt, sie sind nicht auf ein Land beschränkt. ARERO wiederum steht für Aktien, Renten, Rohstoffe und ist daher kein reiner Aktien-Korb.

Grundsatzentscheidung thesaurierend oder ausschüttend?

Viele der Entscheidungskriterien für oder gegen einen ETF finde ich ja vernachlässigbar. Das habt ihr sicher schon rausgelesen. Aber eine grundsätzliche Entscheidung ist äußerst wichtig: Willst du einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF haben? Das musst du wissen, bevor du einen kaufst. Der Unterschied ist leicht erklärt: Der thesaurierende ETF zahlt dir keine Dividenden aus, sondern reinvestiert sofort wieder. Sprich, über die Dauer deiner Anlage siehst du kein Geld! Beim Ausschütter ist das Gegenteil der Fall. Da gibt es – in der Regel jährlich, aber das kann auch variieren – Dividendenzahlungen. Die kannst du dir dann ganz einfach auf dein Konto überweisen lassen.

Aber was ist besser? Thesaurierend oder ausschüttend?

Das hängt jetzt natürlich von deinen Zielen ab. Aber eines vorweg: Die Magic liegt im Zinseszins! Und diesen geilen Effekt hat man mit einem Ausschütter nicht. Zur Altersvorsorge ist also natürlich ein thesaurierender viel gescheiter. Wer aber sofort was von Omis Erbschaft haben will, ohne gleich das gesamte Vermögen auf den Putz zu hauen (was ich sehr löblich finde), sollte lieber den ausschüttenden ETF wählen. Es gibt eigentlich immer beide Möglichkeiten für jeden Index und das in vielfacher Ausgabe.

Wieviel und wann zahle ich ein?

Es gibt zwei Möglichkeiten, ETFs zu besparen:

  1. Einmaleinlage: Wer gerade zu viel Geld rumliegen hat, kann das einfach in sein Depot stecken. Da kauft man um Betrag X den ETF 1 und um Betrag Y den ETF 2. Oder nur einen oder drei oder wie auch immer. Verzettelt euch nur nicht mit zu vielen ETFs.
  2. Sparplan: Da meine ETFs ja Teil meiner Altersvorsorge sind, zahle ich Monat für Monat darauf ein. Das ist empfehlenswert für alljene, die wie ich nicht gerade einen Patzen Geld dafür zur Verfügung haben. Sparpläne funktionieren bereits ab € 50,- pro Monat, in manchen Fällen sogar ab € 25,- Also auch für Leute, die wirklich klein anfangen möchten oder sehr früh anfangen, ist der Sparplan eine super Lösung.
ETFs kann man schon mit wenig Geld kaufen. Ab 25 Euro pro Monat ist man dabei.
Wer klein anfangen oder monatlich einzahlen möchte, kann mit geringen Sparbeträgen Monat für Monat ETFs kaufen.

Übrigens ist das keine „friss oder stirb“-Lösung. Man kann einen Sparplan haben und auch jederzeit eine Order außerhalb des Sparplans setzen. Oder den Sparplan aussetzen oder den Betrag ändern. Man kann übrigens die monatlichen Käufe von ETFs ganz easy über das eigene Bankkonto abwickeln. Dann buchen die Monat für Monat immer den Betrag direkt vom Referenzkonto deiner Hausbank ab wie bei einem Dauerauftrag.

Und wozu dann das Cashkonto?

Die zweite Möglichkeit ist, das Cashkonto, das man zum Depot automatisch mitbekommt, als Referenzkonto anzugeben. Dann muss man halt Sorge tragen, dass da auch immer genügend Geld drauf ist. Für mich ist das nur ein unnötiger Zwischenschritt, den ich mir gerne erspare. Außerdem sollte auf dem Cashkonto nicht zuviel Bargeld liegen, weil Flatex (von anderen weiß ich das nicht) bereits Negativzinsen verrechnet. So ab € 400,- oder so, glaub ich. Warum dennoch immer ein wenig Bargeld auf dem Cashkonto liegen sollte: Weil davon die KEST (Kapitalertragsteuer) eingezogen wird. Bei mir liegen im Moment um die € 40,- drauf. Mehr brauche ich nicht, denn die drei ETFs in meinem Portfolio haben schon thesauriert, somit ist in naher Zukunft nicht mit KEST-Zahlungen zu rechnen, aber übersehen kann ich auch nichts.

Einlesen macht sich bezahlt

Natürlich ist es einfacher, zur Bank zu gehen und einfach zu unterschreiben, was einem der Betreuer (der übrigens, wie ich ja schon des öfteren erwähnt habe, ein Verkäufer ist) vorlegt. Da muss man sich nicht erst einlesen, der sagt einem, was man einzuzahlen hat und fertig. Aber hat schon mal jemand von euch versucht, diese Verträge dann auch zu lesen und zu verstehen? Glaubt mir, da seid ihr beim Kauf von ETFs schneller im Spiel, als wenn ihr versucht, das Kleingedruckte bei der Bank zu kapieren! Und das ist auch wirklich genau deswegen so gemacht, so formuliert und so unübersichtlich gestaltet, damit ihr es nicht versteht! Denn wenn ihr da einmal durchgestiegen seid, dann werdet ihr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unterschreiben. Wenn ihr euch die Summe an Gebühren über die Laufzeit durchgerechnet habt und versteht, dass es für die Performance keine Garantie gibt, werdet ihr gerne die paar Meter mehr gehen, die man braucht, um das Ganze selbst in die Hand zu nehmen. Indem man ETFs kauft.

Was kommt noch?

Teil 2 der Serie, der nächste Woche erscheint, handelt von unterschiedlichen Parametern bei der Auswahl von ETFs. Da erkläre ich euch dann die TER und die Wichtigkeit der Fondsgröße zum Beispiel. Und in Teil 3 sage ich euch, ob ETFs eine gute Wahl sind als Vorsorge für die Kinder, wie ihr eure eigene Altersvorsorge damit aufplanen könnt und wann ihr auf keinen Fall in ETFs investieren sollt!

2 Kommentare

  1. Hallo Claudia! Ich lese mich gerade durch, ganz spannend was du schreibst und wie du es schreibst! Ich wollte für mein Sohn auch Arero besparen, jedoch war für mich unklar wie es mit Sachen Steuern hier in Österreich damit umzugehen ist. Hast du diesbezüglich was rausgefunden? Vielen Dank schon mal und liebe Grüße aus Wien! Dafne

    1. Hallo Dafne, die KESt wird direkt von Flatex abgeführt. Falls du also diesen Broker gewählt hast, musst du dir darüber keine Gedanken machen. Mit anderen habe ich leider keine Erfahrung. Da kann ich nichts dazu sagen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: