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Motivation? Ach ne, lass ma‘!

Motivation ist was für Anfänger. Denn wer diszipliniert ist, muss sich nicht erst zu seiner Arbeit motivieren.

Warum ich Motivation für völlig überbewertet halte.

#motivationmonday, #motivationalquotes, #motivationdaily – wer hat’s aboniert? Ich schon, zumindest einen von denen. Welchen Hashtag zum Thema Motivation und mit welcher Seite weiß ich aber gar nicht genau. In Wirklichkeit finde ich diese Dinge nämlich ziemlich überflüssig. Ich gebe zu, hin und wieder ist mal was ganz Witziges dabei, aber mehr kann ich all diesen Motivationsboostern nicht abgewinnen.

Hashtags, Fotos, Sprüche - die Liste an externer Motivation nimmt kein Ende. Wofür soll das gut sein?
No words needed…

Motivation war noch nie spielentscheidend

Als ich noch in einem großen Unternehmen mit vielen Kollegen gearbeitet hab, gab es eigentlich jeden Tag jemanden, der mir erzählte, dass er so gar nicht motiviert wäre. Dass es heute einfach nicht ginge oder dass er einen schlechten Tag hätte. Das waren Leute, die mir generell auf die Nerven gingen genauso wie ganz liebe, nette Kollegen und auch Freunde. Und ich selbst. Auch ich hatte immer wieder einmal einen Hänger. Und was hat man dann an so einem Tag gemacht? Sich mit anderen Dingen als dem eigentlich Job beschäftigt. Oder nur das Notwendigste vom Stapel abgearbeitet oder einem unnötigen Meeting noch länger beigewohnt als geplant. Die Mittagspause ein wenig ausgedehnt und dann vielleicht auch früher Feierabend.

Tatsächlich ist im Angestelltenverhältnis noch nie jemandem was passiert, wenn er mal einen miesen Tag hat. Selbst ein motivationsloser Tag pro Woche bringt im Regelfall keine Probleme mit sich. Habe es oft genug erlebt.

Motivation ist nur was für Undisziplinierte

Ich brauche keine Motivation für meine Arbeit. Wenn ich aufstehe – zwischen 6 und 7 – lass ich mir einen Kaffee runter und werfe meinen PC an. Manchmal dreh ich die Reihenfolge um, aber das ist meine Morgenroutine. Dann arbeite ich ab, was ich am Vortag vielleicht nicht geschafft habe oder was spätabends noch reingekommen ist. Oder ich mache mich direkt an meine To-Do-Liste. Und jetzt sage ich euch was: Ich überlege nicht, ob ich gerade Lust drauf habe oder nicht. Ich habe ja schon einmal einen Blogpost darüber verfasst, dass ein Arbeitsalltag im gängigen Sinne bei mir nicht möglich ist – hier ist er nochmals zum Nachlesen.

Motivation am Morgen heißt: Kaffee machen und PC einschalten.
Kaffee her und los geht’s. Meistens gleich im Pyjama. Bevor die ersten familiären Verpflichtungen rufen, kann ich schon ein bis zwei Stunden arbeiten.

Stellt euch vor, ich mache jeden Tag von meiner Motivation abhängig. Da würde gerade in meinem Fall nicht viel passieren. Ich muss für meine Arbeit nicht einmal das Haus verlassen. Der Fernseher, die Schmutzwäsche und all meine Bücher sind kaum mehr als eine Armlänge von meinem Arbeitsplatz entfernt. Ich sehe direkt zu meiner Couch rüber. Und kein Mensch auf der Welt kontrolliert meine Zeiten oder meine Leistung. Wie soll man sich da denn bitte motivieren?

Freunde meinten auch schon öfters, dass sie zu Hause so gar nichts gebacken bekommen würden. Sie würden den ganzen Tag irgendwelche Netflix-Serien schauen oder vielleicht auch den Haushalt schmeißen. Aber das liegt meiner Meinung nach nur daran, dass sie sich einfach nicht vorstellen können, gänzlich selbstverantwortlich zu arbeiten. Denn wenn ich dann wiederum meine Unternehmer-Freunde ansehe, dann kommt es immer wieder aufs Gleiche raus. KEINER von uns hat ein Motivationsproblem. Denn wir überlegen gar nicht erst, ob wir fernsehen sollen oder lieber was arbeiten. Wir tun einfach.

Natürlich ist es ein großer Vorteil, dass ich selbstständig bin und mir meine Arbeiten aussuchen kann. Das heißt aber nicht, dass alles gleich viel Spaß macht. Seinen Job sucht man sich ja sonst eigentlich auch aus. Vielleicht nicht jeder, aber jemand der in einer Anstellung festhängt, die ihm prinzipiell nicht gefällt, hat eh ganz andere Probleme als die Motivation.

Monatliche Gehälter sind der Tod der Disziplin

Der Grund, warum ich keine Motivation brauche, um meiner Tätigkeit nachzugehen, ist ein einfacher: Ich bin abhängig davon, dass ich Dienstleistungen erbringe, damit ich Geld bekomme. Im Angestelltenverhältnis läuft das ja so ab, dass man genaugenommen seine Zeit gegen Geld tauscht. Für 40 Stunden pro Woche bekommt man Summe X. Die bekommt man auch, wenn man montags noch im Halbschlaf im Büro sitzt und freitags immer schon zu Dienstzeiten das Wochenende plant. Da ist es natürlich schon notwendig, dass man sich motiviert, auch wirklich bei der Sache zu bleiben. Für mich aber heißt es: Keine Arbeit, keine Kohle. Das ist eine einfache Gleichung, die die eigene Disziplin kontinuierlich hoch hält.

Hoch die Hände – Wochenende!

Ich bin ehrlich genug zuzugeben, dass ich während meiner Angestelltenzeiten auch den Freitag herbeigesehnt habe. Hier könnt ihr nachlesen, was ich früher so gemacht habe. Ich habe mich auf meinen Urlaub gefreut und hatte auch das eine oder andere Montagstief. Und es war mir immer zuwider! Nicht, dass etwas verwerflich daran wäre, sich auf seinen Urlaub zu freuen oder auf ein tolles Wochenende. Aber seien wir doch mal ehrlich: In den meisten Fällen geht es hier um das Entfliehen vom Arbeitsalltag und nicht um die Freude auf die Erlebnisse in der Freizeit. Und so wollte ich eigentlich nicht sein! Ich wollte nicht vor Erleichterung tief durchatmen, wenn ich am Freitag eh viel früher als normal endlich das Büro verlassen konnte. Ich wollte nie dämliche Montagssprüche vom Stapel lassen aus Frust, dass die Arbeit wieder losging. Als dies nicht mehr nur ein Einzelfall war, sondern auch bei mir zur Norm wurde, war mir klar, ich muss was ändern.

Fürs Wochenende ist doch jeder immer motiviert, oder?
Es ist überhaupt nichts daran auszusetzen, wenn jemand seine Freizeit in vollen Zügen genießt. Vorfreude ist da auch erlaubt und erwünscht. Die Frage ist, worauf man sich freut: Auf Erlebnisse in der Freizeit oder darauf, nicht zur Arbeit zu müssen? Letzteres ist kein gutes Zeichen!

Der innere Schweinehund

Wer keine Disziplin kennt, ist eben von seiner eigenen intrinsischen oder von externer Motivation abhängig. Letzteres finde ich überhaupt extra gefährlich. Denn wenn meine ganze Leistung noch dazu von Impulsen von außen abhängig ist, kann das schnell eine ordentliche Abwärtsspirale bewirken. Keiner motiviert mich, also lässt meine Leistung nach, was wiederum zu noch weniger Außenmotivation führt und so weiter und so fort.

Aber wie bekommt man jetzt Dinge auf die Reihe, wenn man keine Lust hat darauf? Das betrifft ja nicht nur die Arbeit und Aufgaben im Jobumfeld. Der innere Schweinehund ist ja auch verantwortlich, dass wir nicht dauerhaft zum Sport gehen oder abends nochmal den Kochlöffel schwingen. Welche Dinge mir persönlich wichtig sind, lest ihr hier (Thema Lifestyle) oder hier (zum Thema sparen).

Für mich gibt es nur eine Antwort: Ich mache es mir zur Gewohnheit. Der innere Schweinehund ist viel zu stark, um ihm sporadisch entgegentreten zu können. Über kurz oder lang verliere ich da immer. Drum bin ich so lange diszipliniert, bis all die Tätigkeiten, die Aufgaben und die Maßnahmen zur Zielerreichung Teil meines Alltages geworden sind. Ich kann zum Beispiel nicht joggen gehen, wenn es gerade passt. Denn dann passt es im Endeffekt nie. Ich muss jeden Wochentag in der Früh eine halbe Stunde Sport machen. Damit habe ich kein Problem. Aber einmal die Woche irgendwann eine Trainingseinheit einzubauen, geht nicht. Zumindest bei mir nicht…

Der innere Schweinehund ist der Mörder der Motivation.
Ich kümmere mich jeden Tag gut um den inneren Schweinehund, damit der brav und ruhig bleibt.

Die Quintessenz ist wohl, dass nur Disziplin zu einer dauerhaften, gleichmäßig hohen Leistung führt. Motivation ist nur nötig, wenn keine Disziplin vorhanden ist. Und mit viel Disziplin baut man sich ein System auf, in dem all die kleinen und großen Tätigkeiten ihren fixen Platz finden. Am besten für immer.

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