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Woher du kommst und wohin du gehst

Wie unser Elternhaus unsere Einstellung zu Geld beeinflusst

Ich habe eine Reife in meinem Leben erreicht, in der ich ganz ohne Schamgefühl sagen kann, dass ich in armen Verhältnissen aufgewachsen bin. Denn heute weiß ich, dass die Armut, die in meiner Kindheit mal stark, mal ganz gut erträglich herrschte, nichts über mich aussagt. Tatsächlich sagt sie auch nichts über meine Eltern, ihre Erziehungsqualitäten oder die restliche Familie aus. Diese Armut war eine über Generationen weitergegebene. Aus Sicht meiner Eltern, die als Kinder noch ärmer waren, schaut die Vergangenheit vielleicht auch ganz anders aus. Sie haben uns nicht als so arm empfunden. Immerhin hatten wir ja ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Und ganz ehrlich – als Kind habe ich davon auch gar nichts gespürt. Ich wurde bis ins Unendliche geliebt und jeder übrige Euro (oder Schilling waren es damals) wurde für meine Wünsche ausgegeben. Somit hatte ich alles, was ich brauchte und noch mehr.

Aufgefallen ist mir unsere Armut erst, als ich älter wurde und sich meine sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen intensiviert haben. Niemand sonst hatte eine so kleine Wohnung wie wir und niemand sonst musste immer zu Fuß gehen, weil jede andere Familie ein Auto besaß. Andere machten jedes Wochenende Ausflüge und die Kinder gingen teuren Hobbys nach. In dem Alter begann ich mich auch manchmal zu schämen für unser Zuhause und hatte nur noch ganz ausgewählte Freunde zu Besuch.

Eltern wollen doch immer das Beste für ihre Kinder. Ich weiß auch genau, dass das bei meinen Eltern der Fall war. Sie hatten nur ganz andere Glaubenssätze als ich jetzt als Mutter habe.

Das Streben nach Reichtum

Jetzt werdet ihr vielleicht denken, dass mein Ehrgeiz, finanziell frei zu werden, aus den Verhältnissen in meiner Kindheit rührt. Doch weit gefehlt. Eigentlich war das Denken meines Umfeldes, also der Familie, hinderlich für mein heutiges Vorhaben. Meine beiden Eltern haben – wie eigentlich alle bei uns – Vollzeit gearbeitet. Wir hatten eine wirklich kleine Wohnung (ein eigenes Zimmer bekam ich erst mit zirka 10, als wir von der Zins- in eine Gemeindewohnung gezogen sind), kein Auto und dennoch ging es sich nicht einmal jedes Jahr aus, dass wir für eine Woche alle drei gemeinsam in den Urlaub fahren konnten. Als ich schon etwas größer war, hat dann meine Mutter zusätzlich noch einen Nebenjob angenommen, damit solche Dinge wie Schulausflüge und Urlaube möglich waren.

Im Hamsterrad

Meine Eltern waren im Hamsterrad gefangen. Sie haben geschuftet und geschuftet und dennoch war nie genug Geld da. Doch das habe ich nicht kapiert. Denn sie haben den Mangel an Geld an einem Mangel an Bildung festgemacht. Daher war es für sie besonders wichtig, dass ich eine gute Ausbildung erlangte. Sie dachten, die Matura und alles was man auf dem Weg dorthin lernt, würden mich aus der Armut führen. Und wenn ich danach noch studierte, würde ohnehin alles gut werden. Was mir aber weder meine Familie noch die Schule, noch die Uni liefern konnte, war finanzielle Bildung. Die Lehre, die ich daraus zog, war also, es reicht nicht, 40 Stunden in der Woche zu arbeiten, um zu Wohlstand zu gelangen. Du musst dafür 40 Stunden im richtigen Job arbeiten. Besser noch mehr als 40 Stunden, dann bekommst du auch mehr Geld raus. Heute weiß ich, dass das wirklich kompletter Blödsinn ist.

Ein lieber und sehr gescheiter Kunde von mir sagt gern: „Ein guter Hausverstand ersetzt 10 Studien, aber kein einziges Studium kann den Hausverstand ersetzen.“ Ich finde dieser Spruch stimmt in Bezug auf Geld mehr als in allen anderen Bereichen.

Vom reich werden als Student

Ich sage euch was, hätte ich vor 20 Jahren nur einen Bruchteil von dem gewusst, was ich heute weiß, wäre ich schon seit 10 Jahren oder mehr finanziell unabhängig. Nur der eine Ratschlag, die als Quintessenz aus dem Buch „Der reichste Mann von Babylon“ hervorgeht – „Spare immer 10% deines Einkommens, um es zu investieren“ – hätte genügt, um jetzt mit 37 schon längst finanziell unabhängig zu sein. Denn was habe ich geschuftet in meiner Jugend und was habe ich verdient! Ein Vermögen, das sage ich euch! Doch ich habe jeden einzelnen Cent auf den Kopf gehauen. Es war einfach zu schön, so mit dem Geld um mich werfen zu können. Dabei hätten 90% von dem, was ich hatte, immer noch gut gereicht, um in Saus und Braus leben zu können. Aber davon wusste ich nichts und habe selbst auch finanzielle Bildung für nicht notwendig erachtet. Das Geld hat ja immer gut seinen Weg zu mir gefunden. Und das hat mich auch irgendwie stolz gemacht. Nur geblieben ist es halt leider nie bei mir.

Die Glaubenssätze der anderen

Wir alle leben nach bestimmten Werten. In den meisten Fällen nehmen wir diese Werte aus dem Elternhaus mit. Und leider Gottes sind da oft sehr negative Glaubenssätze auch dabei, gerade was den Umgang mit Geld angeht. In meinem Fall ist das genau so. Bei uns wird Geld als „nicht wichtig“ abgetan. „Geld macht nicht glücklich“, „Geld verdirbt den Charakter“ und so weiter. Ihr kennt sie wahrscheinlich alle, denn diese Glaubenssätze haben nichts mit den sozialen Verhältnissen meiner Familie zu tun. Sie haben sie sicher selbst auch so vorgelebt bekommen. Der eine Glaubenssatz, den ich leider wirklich bis heute immer noch nicht ablegen konnte, ist „Das Geld g’hört unter die Leut‘.“ Konsumfördernder Oberbullshit. Aber es sitzt dennoch tief.

Du kannst niemanden zu seinem Glück zwingen

Nun gut, jetzt habe ich monatelang an meinen schlechten Glaubenssätzen gearbeitet, habe sie alle entdeckt, teils auch ihren Ursprung und sie widerlegt. Das sieht dann so aus:
Geld macht nicht glücklich: Mich macht es sehr wohl glücklich, meine Zeit frei einteilen zu können und keine finanziellen Sorgen zu haben. Wenn man das nun jemandem mit einer negativen Einstellung zu Geld sagt, bekommt man als Antwort: „Aber wenn du krank bist, hilft dir das ganze Geld nichts.“ Kennt das noch wer von euch? Meine Mutter ist so eine Spezialistin darin, die absurdesten Kontexte herzustellen. Es stimmt schon, dass Geld alleine kein Garant ist für ewige Jugend, Schönheit, Gesundheit und unendliches Glück. Aber Armut schon oder wie? Und könnte mir nicht Geld doch auch helfen, einer Krankheit besser Herr zu werden?
„Geld verdirbt den Charakter“ – das hört man auch oft. Aber Geld ist doch einfach nur ein Mittel zum Zweck. Entweder jemand ist eine Ratte oder nicht. Im Gegenteil denke ich, dass jemand, der sich finanziell gut abgesichert hat, weniger Anlass zu Gaunereien hat als ein armer Mensch.
„Das Geld g’hört unter die Leut‘,“ wird in den meisten Fällen ja schon verwendet, um übermäßigen Konsum zu rechtfertigen. Das wird ja wohl kaum jemand als Erklärung für seinen wöchentlichen Lebensmittel-Einkauf sagen. Ich rufe sicher nicht zu Konsumabstinenz auf, aber einfach jeden einzelnen verdienten Euro beim Fenster rauszuwerfen, ist eben nicht zielführend, wenn man nicht bis zu seinem Lebensende schuften will.
Was mache ich jetzt mit all meinen guten Glaubenssätzen, wenn ich solche Dinge höre? Wie erkläre ich den Leuten, was sie besser machen könnten oder wo sie anfangen sollen? GAR NICHT! Weil jeder Mensch selbst entscheiden kann, wie er leben möchten. Wenn jemand wirklich etwas von mir lernen will, sage ich ihm gern alles, was ich weiß. Aber nur dann! Was glaubt ihr, wie oft ich in dem Kontext der finanziellen Bildung – auch völlig ungefragt – Sprüche höre wie: „Dafür bin ich zu jung, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken“, oder „Dafür bin ich zu alt, das zahlt sich nicht mehr aus“, oder „Ich will aber weiterhin arbeiten, ich arbeite ja gerne“, oder auch „Darum kümmert sich bei uns mein Mann/mein Papa.“ Wenn das in einem zusammenhanglosen Rahmen gesagt wird, ist mir klar, dass Menschen sich vor mir rechtfertigen wollen. Auch wenn ich nicht verstehe, warum, da mich ihre Lebensentscheidungen ja nichts angehen. Übrigens finde ich das Argument, dass jemand ja gern arbeitet, überhaupt am lustigsten von allen. Als dürfte man als wohlhabender Mensch nicht mehr arbeiten gehen.

Leider ist finanzielle Bildung in den Schulen einfach nicht Teil des Lehrplans. Manch ein Verschwörungstheoretiker könnte da eine Strategie dahinter vermuten, uns schön brav im Konsumkreislauf zu halten. Ich jedoch fürchte, dass einfach wirklich wenige Menschen eine Ahnung haben und noch weniger Leute ihre finanzielle Bildung auch weitergeben könnten.

Was ich meinen Kindern beibringe

Ich kann mich nicht um die ganze Welt kümmern. Wie gesagt, gebe ich meine finanzielle Bildung und all meine Erfahrungen gern weiter an diejenigen, die es interessiert. Deswegen schreibe ich auch diesen Blog. Jeder, der etwas über meinen Weg in die finanzielle Freiheit wissen möchte, kann hier drin lesen. Und der, den es nicht interessiert, der liest es eben nicht. Was mir persönlich jedoch schon am Herzen liegt, ist, meinen Kinden von Anfang an einen Einblick in finanzielle Angelegenheiten zu geben. Der Große mit 17 versteht schon, was Mieteinnahmen sind und auch, warum es gut ist, sein Geld anzulegen anstatt es kontinuierlich an Wert verlieren zu lassen. Der Kleine wiederum hat dafür noch kein Gespür. Er ist zwar immer wieder mal bei Wohnungsbesichtigungen dabei, versteht aber nicht, wozu wir eine Wohnung brauchen, in der wir niemals wohnen wollen. Dafür weiß er schon, dass es wichtig ist, immer einen kleinen Teil von jedem Geldgeschenk zu sparen. Immer 10% zu sparen ist für ihn leichter als für einen Jugendlichen, in dessen Welt sich nun mal viel um Zugehörigkeit und Style dreht. Ihr wisst, dass ich beide in ihrem Konsumverhalten nicht einschränke. Sonst könnt ihr hier nochmal nachlesen, warum. Aber mein Mann und ich lassen sie an allen Entscheidungen teilhaben. Wir erklären, warum wir das Haus mieten und nicht kaufen, genauso wie den Verkauf der alten Wohnung und was mit dem Geld passiert. Wir erklären, warum wir sparen, worin wir investieren und wie man zu Geld kommt. Nicht in Familiensitzungen oder im Unterrichtsstil, aber wann immer das Gespräch auf solche Gegenstände kommt. Wir leben ihnen einfach unseren Umgang mit Geld vor. Letzten Endes werden aber auch sie ihren eigenen Weg finden müssen, denn seien wir ehrlich: Auch wenn wir stark durch Nachahmung lernen und unsere Eltern uns viel auf den Weg mitgeben, sind wir doch irgendwann alle erwachsen und ganz allein verantwortlich für die Art, wie wir leben. Eines jedoch kann ich vorbeugend tun: Ich werde ihnen nie erzählen, dass Geld den Charakter verdirbt!

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