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Haus mieten statt Haus kaufen

Eigentlich wollte ich euch heute ja erzählen, wie ich endlich das perfekte Einfamilienhaus für unsere Familie gefunden habe. Zur Miete. Doch das kann ich nun wieder nicht.

Wie ihr wisst, möchten wir ja unsere Eigentumswohnung gegen ein Mietshaus tauschen. Warum fragt ihr euch? Na, weil wir unser Kapital nicht länger im Wohnungseigentum gebunden haben wollen. Aus kaufmännischer Sicht ist es nämlich besser, das Geld gewinnbringend anzulegen, als es ins Eigenheim zu investieren. Lange Zeit war uns das auch nicht bewusst. Der Plan sieht nun so aus, dass wir ein Haus zu Miete finden, das von den monatlichen Kosten her im selben Rahmen wie die Kreditrückzahlungen plus Zinsen bei der Bank liegt.

Was hat das dann für Vorteile für uns:

  1. Das Kapital, das jetzt in der Wohnung steckt, kann für uns arbeiten. Wir veräußern die Wohnung und legen – banal gesagt – den Kaufpreis an. Wir haben erst auch überlegt, diese Wohnung, die wir ja schon besitzen, zu vermieten. Aber sie ist sehr groß und teuer. Daher würden wir stattdessen lieber ein paar kleine Wohnungen nehmen. Damit ist das Risiko besser gestreut und kleine Immobilien sind leichter vermietbar.
  2. Wir haben keine weiteren Kosten in Bezug auf Instandhaltung. Eigentum kostet Geld. Es ist ein Irrtum, dass Wohnungseigentum eine Investition ist. Zumindest ist es das dann nicht, wenn man selbst darin lebt. Wenn das Eigentum vermietet wird, sieht das anders aus. Da bildet man aus den Mieteinnahmen Rücklagen.
    Wohnungseigentum ist also eine Verbindlichkeit. Noch dazu wird vielleicht das Grundstück eines Hauses immer mehr wert (wobei das natürlich auch stark von der Lage abhängt), das Haus selbst aber immer weniger.
  3. Wir erhalten uns unsere Flexibilität. Wir sind ja von der Altersstruktur her nicht unbedingt die klassische Familie mit Mama und Papa, zwei Kindern mit zwei bis drei Jahren Altersunterschied und vielleicht noch einem Hund. Mein Mann und ich haben 15 Jahre Altersunterschied. Zwischen den beiden Kindern liegen zwölf Jahre. Eventuell will unser großer Sohn in zwei Jahren schon ausziehen, um in Wien oder weiß der Kuckuck wo zu studieren. Der Kleine beginnt nächstes Jahr mit der Schule. Mein Mann und ich sind uns einig, dass wir zu zweit sicher nicht so ein großes Haus brauchen wie jetzt mit den Kindern. Und dann sollen wir für eine recht absehbare Zeit selbst ein Haus bauen oder kaufen? Das wäre wirklich Irrsinn!

Es ist gar nicht das Problem, dass es nicht genügend Häuser in Graz und Umgebung zu mieten gäbe, die zu uns passen. Doch immer wieder hakt es an der einen oder anderen Stelle. Mal ist meinem Mann der Garten zu klein, dann fehlt ein Zimmer, beim nächsten passt wieder die Lage nicht. Und dann kommt es auch vor, dass der Vermieter einfach nicht zu uns passt:

Mein Mann und unser größerer Sohn würden am liebsten fernab der Zivilisation leben. Unser Jüngster braucht ganz viel freundschaftliche Gesellschaft

Ich hingegen würde mich im Zentrum einer Großstadt pudelwohl fühlen.

Vor Monaten schon hatten wir in Hart/Graz das perfekte Haus gefunden. Ein wunderschönes Landhaus mit großem Grund. Eventuell waren sowohl Haus als auch Garten ein wenig zu groß für uns, aber das hätten wir schon auf die Reihe bekommen. Wir hatten uns total in die Immobilie verliebt. Der Preis passte auch genau und die Lage wäre nicht ideal, aber für alle vier gut gewesen. Und dann haben wir abgesagt. Kurz bevor der Eigentümer den Mietvertrag aufgesetzt hat, haben wir die Reißleine gezogen. Wollt ihr wissen, warum? Der Vermieter, sprich der Eigentümer war einfach ein Kotzbrocken. Es ist uns nicht leicht gefallen, aber sowohl mein Mann als auch ich hatten mit dem Charakter des Vermieters ein zu großes Problem. Er war überheblich, arrogant und präpotent. Zum Einen brauchen wir uns von niemandem von oben herab behandeln lassen, zum Anderen hatten wir beide ein schlechtes Bauchgefühl. Der Eigentümer würde uns über den Tisch ziehen, wo es nur ginge. Und eine Mietpartnerschaft mit unbefristeter Dauer ist da natürlich was Anderes als ein Kauf. Man hat mit seinem Vermieter einfach immer wieder zu tun.

Ihr müsst wissen, auch wenn ich mich viel mit meinem Geld beschäftige und mich nicht wenig darum kümmere, dass das Geld fließt, so halte ich mich doch an gewisse Regeln. Man geht einfach respektvoll mit Mitmenschen um. Ich spiele keine Spielchen mit meinem Gegenüber. Ob das nun ein Kunde oder ein Partner ist oder eben ein Vermieter. Dass ich es nicht tue, heißt aber nicht, dass ich nicht all die manipulativen Verhaltensweise kenne und erkenne. Wenn ich ein Haus mieten will, das über unseren finanziellen Verhältnissen liegt, muss ich dem Eigentümer nicht erklären, dass sein Haus nur das wert ist, was ich zahlen will. Dann sage ich offen und ehrlich, dass wir ein gewisses Budget haben und ob sich der Vermieter vorstellen kann, es uns um diesen monatlichen Betrag zu überlassen. Wenn nicht, dann biete ich an, dass er sich immer noch melden kann, wenn er niemand anderen findet.

Tja, und da war eben der Hund begraben. Der Eigentümer hat uns wieder und wieder erklärt, wie er das Haus schon zehnmal gewinnbringend hätte verkaufen können. Und dass er, wenn er das Geld anlegt, immer 4% Rendite schafft. Wow, da war ich natürlich stark beeindruckt. Was will er denn mit seinen 4% überhaupt? Aber egal. Das ist eben das, was ich unter „Spielchen spielen“ verstehe. Oder uns zu sagen, wir sollen den Bogen nicht überspannen, wenn wir fordern, dass Mängel am Haus behoben werden, bevor wir einziehen. Und weil kein Haus so schön ist, dass man einen Mietvertrag mit viel Bauchweh unterzeichnet, haben wir uns entschlossen, es nicht zu nehmen. Das war im Sommer. Es ist übrigens immer noch inseriert.

Seit dem Sommer haben wir ein paar Häuser besichtigt. Wir sind leider von der Lage her ziemlich eingeschränkt und auf den Bogen Nord-Westen bis Nord-Osten von Graz limitiert aufgrund der Schulwahl unseres Jüngsten. Andritz, Mariatrost, Gösting wären so unsere präferierten Bezirke, auch gerne das Umland um Graz in diesem Bereich. Und jetzt war plötzlich wieder ein Einfamilienhaus dabei. Perfekte Lage, schöner Garten und gute Größe. Und wisst ihr was: Total nette Eigentümer. Wir waren bei dem Ehepaar zum Kaffee und haben uns auf Anhieb verstanden. Mein Mann und ich wollen das Haus unbedingt mieten, auch mit dem Preis sind wir uns einig geworden. Leider wollen die Vermieter keinen so lang andauernden Mietvertrag wie wir. Wir hätten gerne 15 Jahre, mindestens aber 10. Und sie haben – berechtigterweise – Angst, dass das Dach nicht so lange hält und sie es reparieren müssten, was sie aus finanziellen Gründen nicht machen wollen. Und das haben sie uns ganz einfach so gesagt, wie es ist. Ist das nicht schön? Menschen, die auf Augenhöhe miteinander sprechen können.

Wie sind wir verblieben? Mein Mann und ich wollen das Haus unbedingt. Die Eigentümer haben um Bedenkzeit gebeten und wollen uns nach Weihnachten Bescheid geben. Und die Kinder? Die wissen von alldem noch gar nichts. Denn jedesmal, wenn es nicht geklappt hat, waren sie super enttäuscht. Daher haben wir beschlossen, ihnen das Haus erst zu zeigen, wenn es eine realistische Chance gibt. Und auf die hoffen wir nun…

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