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Eine heikle Frage: Dürfen wir die Versicherungen unserer Kinder kündigen?

Mein Mann und ich gehören nicht zu den Pärchen, von denen man sagt: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Ich weiß schon, es gibt auch noch den Spruch: „Gegensätze ziehen sich an“, aber da fallen wir auch nicht direkt rein. Formulieren wir es ganz neu: „Wir wachsen gemeinsam.“ Ganz oft in dieselbe Richtung und bei manchen Dingen auch auseinander. Ich glaube, es gibt überhaupt nur eine Sache, die bei uns wirklich zählt, was die Gemeinsamkeiten angeht, und das ist die Gabe zur Selbstreflexion und zum Entwicklungswillen – und zwar in allen Lebensbereichen. Aber was erzähl ich da, das interessiert hier ja niemanden. Das war nun eigentlich nur als kleine Einleitung gedacht und jetzt habe ich da schon einen ganzen nichtssagenden Absatz darüber geschrieben.

Warum ich mich in dieser Einleitung verrannt habe, ist folgender Hintergrund: Mein Mann ist wahnsinnig sicherheitsliebend. Ich jedoch glaube, dass man immer am sichersten unterwegs ist, wenn man sich selbst ein Netz baut, sich anpassen kann und kalkulierbare Risiken eingeht. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, dass gerade beim Thema Finanzen da die Meinungen oftmals auseinander gehen.

So auch in Sachen Zusatzversicherungen für die Kinder. Wir haben zwei ganz tolle Buben, die sind nun 17 und 5 Jahre alt. Wir sind, wie es in Österreich mittlerweile schon üblich zu sein scheint, alle „zusatzversichert“. Also, das ist landläufig der Begriff für eine Gesunden- oder Krankenzusatzversicherung. Und ich habe meinem Mann vorgeschlagen, die Zusatzversicherungen der beiden Kinder zu kündigen. Wohlbemerkt nur die der beiden Buben. Nicht unsere.

Vielen von euch wird es bei diesem Vorschlag ähnlich gehen, wie meinem Mann, oder? Das ist ein klares NEIN, gepaart mit unverständlichem Kopfschütteln. Denn wie kann ich bei sowas Wichtigem wie der Versicherung sparen. Und dann noch dazu NUR bei den Kindern. Ist deren Gesundheit etwa weniger wichtig als unsere?

Nein, ganz und gar nicht. Die ist viel, viel wichtiger. Sowohl für meinen Mann als auch für mich. Aber ich sage euch, wofür wir bei den beiden einzahlen.

  • Der Nutzen für den 17-Jährigen im Jahr 2019: 1 Arztbesuch bei einem Privatarzt
  • Der Nutzen für den 5-Jährigen im Jahr 2019: 1 (die letze) Mutter-Kind-Pass-Untersuchung, 1 Arztbesuch bei einem Privatarzt.
Wer geht nicht lieber zu einem Wahl- oder Privatarzt, ohne Wartezeiten in einer hübschen Ordi und mit dem neuesten Equipment? Aber das würde ich auch ohne Zusatzversicherung tun, ich zahle eben den Aufpreis selbst.

Und bei den Privatarztbesuchen der beiden hat jeweils den Großteil der Kosten, nämlich 80 %, die Gebietskrankenkasse übernommen. Sprich, die Kosten, die die Versicherung übernommen hat, waren einmal € 14,- für den Großen und einmal € 34,- für den Jüngeren. Das wäre also die Summe an Kosten 2019 gewesen, die wir selbst hätten berappen müssen.

Dem gegenüber stehen nun aber Kosten in der Höhe von jeweils ca. € 25. Nicht pro Jahr, sondern pro Monat. Und das nur noch heuer. Denn ab seinem 18ten Geburtstag zahlen wir für unseren Großen um die € 58,- pro Monat. Sprich, wir werden ab dem nächsten Jahr für die Versicherungen der Kinder knappe € 1.000,- im Jahr berappen. Sie sind also die klassischen Einzahler.

Wir zahlen € 1.000,- ein und ziehen also € 48,- raus. Und ich finde, das ist kompletter Irrsinn. Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass wir auf das Geld angewiesen sind. Gar nicht. Und ich würde es auch nicht einmal zweckentfremden. Mein Ansatz ist dieser:

Wir kündigen ehestmöglich die Versicherungen, aber legen die Beträge weiterhin auf ein separates Konto. Alle „Gesundheitskosten“, die entstehen und für die unsere Gebietskrankenkasse nicht aufkommt, werden daraus bezahlt. Am Ende jeden Jahres wird Bilanz gezogen und die Hälfte der auf dem Konto befindlichen Reserve wird veranlagt. Für jeden Buben separat. Ich hätte in dem Fall ETFs vorgeschlagen, aber da wäre ich sicher gesprächsbereit. Das wäre halt die einfachste Variante. Und irgendwann, wenn sie dann meinen, eine Zusatzversicherung zu brauchen, machen sie einen Entnahmeplan und lassen sich aus dem Ersparten die Versicherung zahlen. Versteht ihr, wie ich meine? Das Geld, das uns in ihren jungen Jahren übrigbleibt, soll so veranlagt werden, dass es später mittels Dividenden für ihre Gesundheitskosten aufkommt. Wir machen für sie quasi eine eigene Versicherung.

Jetzt habe ich geschrieben, die eine Hälfte der Ersparnis wandert in ETFs, aber was passiert mit der zweiten Hälfte? Die ist da, um dem Sicherheitsbedürfnis meines Mannes nachzukommen. Versicherungen leben ja von der Angst der Menschen. Die allererste Frage ist natürlich: „Aber was ist, wenn dann doch einer der beiden richtig krank wird.“ Also, wenn uns eine schwerwiegende Krankheit richtig aus dem Leben reißt. Und für diesen Fall sollten wir mit der zweiten Hälfte einen ordentlichen Puffer aufbauen. Natürlich ist das nicht sehr wahrscheinlich, aber so funktioniert halt nun einmal das Versicherungsprinzip und mein Mann ist ja nicht der einzige, der da so denkt. Das muss man auch respektieren. Wenn der Puffer, bei dem sich ein Sicherheitsgefühl einstellt, aufgebaut ist, wird der gesamte monatlich Betrag veranlagt. So verlieren wir mit der eisernen Reserve am Konto zumindest „nur“ die Inflation.

Meiner Meinung nach wäre damit seinem Bedürfnis nachgekommen und auch meiner Selbstbestimmungstendenz. Ich bin lieber selbst für die ganz wichtigen Fälle verantwortlich. Und das Thema Gesundheit ist sowas. Denn ehrlich: Bei all den Klauseln und dem ganzen Kleingedruckten weiß doch ohnehin kein Mensch, wann die Versicherung einspringt und wann nicht. Und ich kann nun mal nicht jede Eventualität versichern, denn dann ist das nicht mehr zu bezahlen. Ein Beispiel: Ich hatte Anfang des Jahres eine Physiotherapie. Kosten dafür abgelehnt, weil mein Tarif das nicht deckt. € 400,- aus meiner eigenen Tasche bezahlt. TROTZ Zusatzversicherung.

Ach ja, und zusätzlich zu den Arztbesuchen waren wir im Jahr 2019 einmal mit dem Kleinen und im Jahr 2018 zweimal mit dem Großen im Spital. Der Große hat sich beim ersten Mal während eines Fußballspiels die Hand angeknackst und beim zweiten Mal war sie dann tatsächlich gebrochen. Der Kleine hatte sich den Arm geprellt, als er von der Couch gestürzt ist. Und wisst ihr, was man in so einem Moment tut? Man fährt los. Ins nächste Krankenhaus und lässt das sofort behandeln. Da wartet man nicht, bis vielleicht der beste private Chirurg am Montag oder in der Früh (denn solche Dinge passieren ja immer am Abend oder am Wochenende) wieder da ist. Sprich, ein richtig akuter Notfall wird in den seltensten Fällen überhaupt jemals ein Zusatzversicherungsfall.

Im akuten Notfall recherchiere ich nicht erst den bei Google am besten bewerteten Arzt, sondern sause mit den Kindern in die Notaufnahme.

Ich will hier überhaupt nicht gegen die klassischen Zusatzversicherungen wettern. Ganz im Gegenteil. Ihr habt sicher rausgehört, dass ich sie ab einem gewissen Alter für durchaus sinnvoll erachte. Und dieses Alter ist bestimmt für jeden ein anderes. Denn irgendwann steigt das Risiko und somit der Nutzen. Für mich hat die Versicherung ab 32 Sinn gemacht. Da hatte ich einen ganzen Haufen – nennen wir es mal – Frauenangelegenheiten, die mich ordentlich Geld gekostet hätten. Oder Komfort, denn behandelt wäre ich auch sonst geworden, aber eben in einem Zimmer mit sechs anderen oder so. Seither bin ich aber eigentlich wieder ein reiner Einzahler.

Und genaugenommen ist es doch auch ganz logisch, dass man viel mehr einzahlt, als man rausbekommt, oder? Wie sonst sollte denn das System funktionieren? Wovon leben die Versicherungen denn? Leider hat sich im Laufe der Diskussion eine Art Aberglauben bei meinem Mann entwickelt. Er hat Angst, dass er durch die Kündigung der beiden Versicherungen irgendwas heraufbeschwört. Ich habe es selbst nicht genau verstanden, aber wohl sowas wie „und genau dann erkrankt einer der beiden schwer.“ Ich bin ja der Meinung, dass das Universum keinerlei Interesse an irdischen Versicherungssystemen haben kann und daher niemanden wegen einer Kündigung bestraft. Jedenfalls ist es sicher eine heikle Frage, die da zwischen uns steht.

Jetzt würde mich aber noch eure Meinung dazu interessieren. Was sagt ihr?

  1. Der Plan ist gut. Kündigt die Zusatzversicherungen der Kinder.
  2. Finger weg von den Zusatzversicherungen der Kinder. Das ist zu riskant.
Wir alle haben mittlerweile schon fast gleich viel Angst vor einem Mehrbettzimmer im Krankenhaus wie vor einer schweren Krankheit. Und da bin ich keine Ausnahme.

2 Kommentare

  1. Hi, wir stehen grade vor einer ähnlichen Thematik mit der privaten Kinderkrankenversicherung. Wir haben uns jetzt mal gegen eine solche Versicherung entschieden (aus den von Dir genannten Gründen, und zusätzlich stört uns die Förderung von Homöopathie, welche sich fast alle Versicherungen in dem Bereich „mitbezahlen“ lassen – wir sind da keine Gläubigen auf dem Gebiet) und legen stattdessen dafür etwas auf ein Sparkonto (auch für uns selbst, bei uns würden die monatlichen Beträge schon zu hoch werden) um die Wahlarztbesuche zu „puffern“, so wie Du es auch vorhast.
    Wenn Du aber von den jährlichen Resten die Hälfte für schwere Krankheiten für die beiden am Tagesgeldkonto ansparst, denkst Du, dass das ausreichend ist? Es reicht im wirklichen Notfall wahrscheinlich nicht lange und man muss an andere Reserven (die ETFs) ran. Hab‘ ich einen Denkfehler oder habe ich es falsch verstanden?

    1. Hey Becky! Du hast schon recht, es ist ein gewisses Restrisiko da, dass wir im Notfall das Geld für die Behandlung wirklicher schwerer Krankheiten anderweitig aufstellen müssten. Das ist auch einer der Gründe, warum mein Mann und ich uns nicht einig sind. Mein Standpunkt hierbei ist, dass man bei Versicherungen ja tatsächlich auch niemals alles abgedeckt hat. Wer weiß schon, was passiert und es ist schier unmöglich, sich gegen jede Eventualität abzusichern.
      Auf einem Tagesgeldkonto würde ich wirklich nur einen gewissen Sicherheitspuffer lassen. Den Rest würde ich veranlagen – am ehesten in ETFs. Dafür braucht man anfangs am allerwenigsten. Also, ich würde das Geld ab einer gewissen Summe nicht dauerhaft auf einem Tagesgeldkonto liegen lassen, weil es da ja an Wert verliert. Und die besparten ETFs sollen in Folge dann die Arztkosten und die Zusatzversicherung der Kinder decken, wenn sie auf eigenen Beinen stehen bzw das Gefühl haben, dass eine solche Versicherung notwenig ist. Best case Szenario hierbei ist natürlich, dass sie ETFs schon ordentliche Renditen abwerfen (weil wir sie lange genug gehalten haben), Worst Case ist, dass einer der beiden Buben „zu früh“ an das Geld ranwill und ein eventueller Verlust in Kauf genommen werden muss. Aber beim Großen stehen Mama und Papa sicher noch gute 10 Jahre zur Verfügung, beim Kleinen wohl so um die 20, bis die Buben sich da ihre eigenen Gedanken dazu machen werden.

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